Magdeburg l Nach 77 Minuten war für Richard Weil Schluss. Der Abwehrchef kehrte nach seinem Lendenwirbelbruch und zwei Wochen im Mannschaftstraining in Aalen direkt in die Startelf zurück und machte seine Sache gleich wieder gut.

Nur wenige Sekunden, nachdem er auf der Bank Platz genommen hatte, konnte Weil dann das 2:2 des für ihn gekommenen Ahmed Waseem Razeek bejubeln. Nach dem Spiel war Weil aber wie seine Mannschaftskollegen alles andere als zufrieden: „Wir müssen jetzt auf andere schauen und haben es nicht mehr in der eigenen Hand.“

Im Winter aus Würzburg gekommen

Gedanken an die schwere Verletzung hatte er schon zuvor im Training nicht mehr. „Es spielt sich viel im Kopf ab. Ich habe so schnell wie möglich versucht zu vergessen, dass ich eine Verletzung hatte, um keine falschen Bewegungen zu machen“, sagte er. In Aalen war ihm die lange Verletzungszeit kaum anzumerken. Von Beginn an dirigierte und ordnete Weil die Abwehr, war sehr eng an seinen Gegenspielern dran und ging auch heiklen Zweikämpfen nicht aus dem Weg. Dass nach einer wochenlangen Pause die Kräfte nachlassen und er früher raus musste, war in diesem Zusammenhang zu verschmerzen. Wie schon die Rückkehr von Felix Schiller Mitte April tat dem FCM auch das Comeback von Weil gut, der im Winter vom Zweitligisten Würzburger Kickers verpflichtet wurde, sich auf Anhieb als Abwehrchef etablierte und die Defensive bis zur Verletzung am 1. April gegen Erfurt zu einer fast uneinnehmbaren Festung machte.

Vor fast genau einem Jahr spielte Weil übrigens am 14. Mai 2016 mit Würzburg am 38. Spieltag beim FCM. Würzburg sicherte sich den Relegationsplatz und stieg durch zwei Siege gegen Duisburg auf. Soweit das gute Omen vor dem letzten Saisonspiel des Club am Sonnabend (13.30 Uhr) zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte. Allerdings hatte Würzburg vor einem Jahr den Relegationsrang bereits sicher, der FCM ist jetzt auf Schützenhilfe angewiesen.

Auch neben dem Platz gefragt

Vor dem Lotte-Spiel ist Weil auch neben dem Platz gefragt. Seine Erfahrung im Aufstiegsrennen kann im Kampf um den Relegationsplatz hilfreich sein. Wie bei der Verletzung geht es auch diesbezüglich um die mentale Verfassung. „Im Saison-Endspurt spielt der Kopf eine wichtige Rolle. Da geht es nicht so sehr um gute oder schlechte Leistungen. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist noch mal etwas anderes als der Aufstieg in die 3. Liga. Die Erwartungen im Umfeld sind enorm“, so Weil. „Man darf aber auch nicht vergessen, dass der FCM erst im zweiten Jahr in der 3. Liga spielt und jetzt zweimal oben dabei war. Das ist eine riesige Leistung.“

Der Club sei zuletzt oft in Führung gegangen und habe in der zweiten Halbzeit noch zulegen können. „Das stimmt mich positiv“, sagte der 29-Jährige. „Wir müssen jetzt vor allem mental frisch sein.“ Diese Frische sei in dieser entscheidenden Phase sogar noch wichtiger als die körperliche Verfassung. „Wir müssen uns auf das freuen, was jetzt kommt, und dürfen nicht hadern, was zuletzt war.“

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