Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 05.02.2010 23:00:00
Whistler (dpa). Leere Pisten tagsüber und wenig los in den Bars am Abend: Whistler präsentiert sich eine gute Woche vor Beginn der olympischen Wettbewerbe mehr als Oase der Ruhe denn als Party-Hochburg. "So wenig Leute im Skigebiet habe ich in 25 Jahren noch nicht gesehen", sagt Heinz Laub verwundert. Der gebürtige Stuttgarter hat seit elf Jahren eine Ferienwohnung in Whistler und nennt als Grund für die Ruhe vor dem Sturm die "Olympic Aversion".

Die meisten Besucher aus Vancouver oder Seattle seien es gewöhnt, mit dem Auto in die Berge zu fahren. Nun Busse benutzen zu müssen, schrecke sie ab. Derzeit sind die Hotels nur zu etwa 40 Prozent gefüllt, selbst nach Beginn der Spiele am 12. Februar sind immer noch Zimmer zu haben. "Manche verlangen einfach zu viel", urteilt der 65 Jahre alte Laub.

Die gesalzenen Preise in Whistler können der Begeisterung der Kanadier jedoch nichts anhaben. Vor den Ticket-Verkaufsstellen an der fast fertiggestellten "Medals Plaza" in der Fußgängerzone bilden sich Schlangen. Wer eine Unterkunft in Whistler nachweist, kann sich kurzfristig Karten für alle Wettbewerbe im Nobel-Ort sichern. Tickets, die in Vancouver nicht verkauft wurden, werden nun in Whistler angeboten, da die Transportkapazitäten auf dem engen Highway von Vancouver herauf in die Berge erschöpft sind.

Gestern Abend (Ortszeit) sollte das olympische Feuer nach 99 Tagen quer durch Kanada im Zentrum des Nobel-Skiortes Station machen. Dann wird auch die Party-Town wieder ihre Betriebstemperatur steigern, wenn viele "Vancouverites" ihre Ferienwohnungen beziehen. Auch das olympische Dorf acht Kilometer südlich von Whistler füllt sich immer mehr.

Heinz Laub wird nur noch wenige Tage die ungewohnte Ruhe auf den Skipisten genießen können, dann beginnt sein Job als freiwilliger Helfer bei den Alpin-Wettbewerben. Erst vor ein paar Tagen hat er sich für seine Familie Olympia-Tickets gesichert. Für einen Sitzplatz beim Super-G der Damen bezahlte er 83 Dollar (56 Euro), beim 30-Kilometer-Langlauf ist er sogar schon mit 30 Dollar (20 Euro) dabei. Ein Tagespass im besten und größten Skigebiet Nordamerikas kostet mehr: 93 Dollar (63 Euro) verlangt kein Skigebiet in Europa, doch dafür erhält der Kunde beim Lifteinstieg sogar den Schnee von den Skiern gefegt.