Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 10.02.2010 23:00:00
Hamburg (dpa). Der Weg zurück in die Normalität wird steinig. Trotz des verkündeten Burgfriedens zwischen den Chefs der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und den DFB-Oberen laufen die Diskussionen um die Zukunft von Joachim Löw ungebremst weiter. Zwar verkündete der Bundestrainer mit fester Überzeugung: "Ob mit oder ohne Vertrag ins Turnier zu gehen, ist kein Problem in dieser Situation."

Doch schon am Tag nach dem ungewöhnlichen Friedensgipfel von Frankfurt, bei dem sich die DFB-Streithähne auf einen Stillhalte-Kompromiss bis zur WM geeinigt hatten, konnte Löw von angeblich neuen Geheimplänen und Zukunftsabsprachen mit Manager Oliver Bierhoff lesen.

Der 50 Jahre alte DFB-Chefcoach weiß auch aus eigener Erfahrung nur zu genau, dass seine Zukunft ohnehin vorrangig von den sportlichen Erfolgen bestimmt wird. Und schon Anfang März könnte der verkündete Burgfrieden im Deutschen Fußball-Bund wieder auf den Prüfstand kommen, falls sich Michael Ballack & Co. im Testspiel gegen Argentinien in München eine ähnliche Pleite erlauben wie vor der WM 2006 gegen Italien.

Nach dem desaströsen Auftritt in Florenz drei Monate vor dem anschließenden "Sommermärchen" bei der WM im eigenen Land war im engsten Führungszirkel des Verbandes sogar über eine kurzfristige Ablösung des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann diskutiert worden. Löw hat das als Assistent alles hautnah miterlebt – und für sich die Lehren gezogen. Eine davon ist, in Konfliktsituationen wie jetzt nach der geplatzten Vertrags-Verlängerung alle Konzentration nur auf den Sport zu lenken.

Erst die Entwicklung rund um das deutsche Nationalteam bis zum Sommer und vor allem der Verlauf des WM-Turniers, das für die DFB-Mannschaft am 13. Juni gegen Australien beginnt, wird für Löws Zukunftsplanungen und -Aussichten entscheidend sein. Ob er eine neue Herausforderung in der Türkei sucht, ob er mit oder ohne den angeschlagenen Teammanager Bierhoff beim DFB weiterarbeitet – alles scheint weiter möglich, auch wenn einige Punkte derzeit auf einen Abschied nach der WM hindeuten. Vor allem der Vertrauensverlust durch das Ultimatum zu einer neuen Vertragsunterschrift haben bei Löw Spuren hinterlassen. Das Image als bisher unbefleckter Liebling der Nation hat vor allem durch die Indiskretionen, die er auch vonseiten des Verbandes vermutet, erste Kratzer abbekommen.

Gerade deshalb wird der Bundestrainer seine ganze Energie noch mehr dafür einsetzen, um die WM-Mission zu einem vollen Erfolg zu führen. "Unser ganzes Interesse gilt dieser WM, wir werden diese Mannschaft so gut vorbereiten, dass sie ein gutes Turnier spielt", erklärte Löw. Und so stürzt er sich nach all den Irrungen und Wirrungen wieder in die Arbeit.