Z: Wernigerode ZS: WR PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 12.02.2010 23:00:00
Die dreimaligen Olympiasieger Kati Wilhelm und Michael Greis spielen ihre Routine aus, Debütantin Magdalena Neuner setzt vor den Sprint-Rennen der Biathleten am Wochenende auf jugendliche Unbekümmertheit. "Ich bin absoluter Olympia-Neuling. Ich weiß gar nicht, was mich alles erwartet", sagt die sechsmalige Weltmeisterin. Trotzdem hofft die gerade 23 Jahre alt gewordene Wallgauerin auf den Volltreffer bei den Spielen in Whistler: "Der Olympiasieg wäre schon etwas ganz Tolles."

Der Blick zurück sorgt bei Wilhelm und Greis für Gelassenheit und Zuversicht. "Die drei Goldmedaillen stehen. Von dem her kann ich es ganz relaxt angehen", sagt Greis. "Ich kann hier nichts gewinnen, was ich noch nicht habe. Deshalb muss ich mir keine Gedanken machen", meint Wilhelm. Ihr Olympia-Rezept: "Wenn die Nervosität kommt, kann man sich das sagen. Eigentlich muss man sich nicht so schlimm unter Druck setzen."

Ganz fest drückt Greis dem Damen-Team mit Wilhelm und Neuner sowie Andrea Henkel und Simone Hauswald für das heutige Sprint-Rennen die Daumen. "Das würde den Druck von der Mannschaft nehmen, dann sind wir nicht so im Zugzwang", sagt der Allgäuer, der morgen ranmuss.

Neben dem 33-Jährigen starten noch Arnd Peiffer, Christoph Stephan und Andreas Birnbacher in den Bergen über Whistler über die zehn Kilometer. Mit "einer Einzel- und einer Staffel-Medaille", wäre Herren-Bundestrainer Frank Ullrich zufrieden. Der Olympiasieger von Lake Placid nimmt zum zehnten Mal an Winterspielen teil. Der Goldrausch von Turin war einmalig. "Das lässt sich so schnell nicht wiederholen."

Diesmal ruhen vor allem auf den Biathletinnen die Medaillen-Hoffnungen. "So eine starke Mannschaft war bei Olympia noch nie am Start", sagte Damen-Bundestrainer Uwe Müssiggang, seit 1991 als Chefcoach tätig. Sechs Gold-, zehn Silber- und vier Bronzemedaillen bei Olympia gewannen die Skijägerinnen unter seiner Regie. Nun hofft der Medaillen-Schmied auf einen gelungenen Auftakt: "Das wäre wichtig." Kati Wilhelm weiß: "Die Stimmung ist super. Alle sind gut drauf und fit."

Mit einem Gefühl der "Nervosität, wie sich das gehört vor einem großen Wettkampf", geht Kati Wilhelm in den 7,5-Kilometer-Sprint. Vor ihren letzten Olympia-Auftritten muss sich die Thüringerin nichts mehr beweisen. "Ich kann es etwas beruhigter angehen, weil ich schon etwas habe. Ich muss ja nicht unbedingt meiner Karriere die Krone aufsetzen."

Selbst das schlechte Wetter macht ihr keine Sorgen. "Ich hoffe nicht, dass es so wahnsinnig tief und schwer wird", sagt sie, lächelt und legt nach. "Auch in Südkorea waren es keine Kati-Wilhelm- Bedingungen." Trotzdem holte sie sich bei der letzten Weltmeisterschaft den Einzel-Titel. Für Wilhelm führt der Weg zum Sprint-Gold nur über die Schwedin Helena Jonsson. Greis hat sich auf den Norweger Björndalen festgelegt. "Der Ole ist der Topfavorit."

Wie Greis, der bereits zwei Tage vor der restlichen Männer-Auswahl in Whistler anreiste, setzte auch Kati Wilhelm im Vorfeld auf Individualität. Die Thüringerin ließ eigens ihren privat finanzierten Lauftrainer Odd Lirhus ins Trainingscamp Vancouver Island einfliegen, um noch am Laufstil zu feilen. Die Chance, als erste Biathletin zum dritten Mal in Folge Olympia-Gold zu gewinnen, ist beim vermutlich letzten Karriere-Höhepunkt nicht Wilhelms Haupt-Motivation. "Ich muss nicht Gold gewinnen. Wenn meine Leistung perfekt ist, wäre ich auch mit einer anderen Farbe zufrieden", sagte die 33-Jährige..