Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 15.02.2010 23:00:00
Kiel (dpa). Die Kritik des Trainers fiel hart aus. "Anfängerfehler" attestierte Alfred Gislason einigen Handballern des THW Kiel nach der 30:32-Niederlage am Sonntag gegen den FC Barcelona. Eine kritische oder gar bedrohliche Situation, welche die großen Saisonziele des deutschen Rekordmeisters gefährden könne, sieht der 50 Jahre alte Isländer dennoch nicht: "Eine Krise haben wir nicht. Wir haben ordentlich gespielt, aber einfach nicht gut genug."

Die Gesichter der THW-Profis allerdings sprachen Bände: Die herbe Pokalschlappe in Gummersbach (28:35), der mäßige Auftritt in der Liga bei den Rhein-Neckar Löwen (23:22) und nun die erste Niederlage in der Champions League – das Selbstvertrauen des Rekordmeisters, das jahrelang nicht zu erschüttern war, ist spürbar angegriffen.

Das Problem könnte tiefer liegen, als Gislason es wahrhaben will. "Einigen Spielern fehlt die Lust am Handball", sagte Christian Zeitz. Nach solchen Erlebnissen denke man "zu viel nach", so der Linkshänder, der seit 2003 in Kiel unter Vertrag steht und mit Kapitän Marcus Ahlm dienstältester THW-Profi ist.

Auch Linksaußen Dominik Klein sinnierte darüber, warum das Team derzeit nicht die Spielfreude der Hinrunde auf das Parkett bringe. Es fehle "der Flow", so Klein, die Begeisterung, in der ausverkauften Halle aufzulaufen.

Es gibt aber auch Gründe für die Leistungs-Delle: Wichtige Stützen des Teams wirken überspielt. "Einige von uns sind ziemlich müde", sagte Zeitz. Etwa Filip Jicha, der wichtigste Rückraumspieler. Bei der EM in Österreich war der Tscheche noch Torschützenkönig und zum wertvollsten Spieler gewählt worden. "Es war eine harte Woche – physisch wie mental. Wir hatten drei vorentscheidende Spiele direkt nach der Europameisterschaft, wo viele von uns acht Spiele in zwölf Tagen hatten", sagte Jicha.

Auch Torwart Thierry Omeyer brachte weder in Gummersbach noch gegen Barcelona die überragende Form, die nötig ist gegen Teams wie den siebenfachen Champions-League-Sieger. Zudem schwächeln Leistungsträger wie Kim Andersson und Momir Ilic. In solchen Wochen merke man, dass die Mannschaft noch nicht die Automatismen abrufen könne, die das Team um den zurückgetretenen Kapitän Stefan Lövgren einst abrief, so Zeitz.