Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 16.02.2010 23:00:00
Olympiasieger Seth Wescott stand in Jeans auf dem Siegespodest, ließ sich von den kreischenden amerikanischen Fans feiern und kündigte bei der Pressekonferenz lächelnd an: "Beim Après-Ski heute, da geht’s ab. Wir werden ordentlich einen trinken." Coole Typen, heiße Rennen – und immer Party: Doch nach der ersten Snowboard-Show der Winterspiele in Cypress Montain konnten so manche diese Klischees nicht mehr hören. "Wir wollen vor allem ernst genommen werden", sagte David Speiser. "In Amerika ist der Snowboarder genauso ein Athlet wie der Football-Spieler", so der 29-Jährige. Der Oberstdorfer war beim faszinierenden Boardercross, wo sich vier Teilnehmer gleichzeitig die Piste hinabstürzen, knapp am Finale vorbeigefahren und Achter geworden.

Auf der steilen und kurvenreichen Piste finden die Snowboarder trotz der waghalsigen Sprünge fast immer die Balance auf ihren Brettern – nicht aber in der Sportwelt. "Hier stellt man fest, dass man es mit ganz großen Rockern zu tun hat. Das ist bei Olympia jedes Mal ein Riesen-Event, aber das nützt anscheinend nichts", sagte Timm Stade, Sportdirektor des Snowboard Verbandes Deutschland (SVD). 2006 in Turin fegten die SBX-ler erstmals bei Olympia den Hang hinunter, danach fristeten sie wieder ihr Schattendasein in der Weltcup-Szene.

Ein tristest Dasein indes mag man auch in der Zeit zwischen den Höhepunkten nicht vermuten. Die Snowboarder feiern sich gegenseitig, klatschen sich ab wie die besten Kumpels. "Wir sind seit fünf, sechs Jahren auf der Tour, da kennt man sich", erklärte Speiser, in dessen Arme Wescott nach dem Zieleinlauf als erstes fiel. Das Outfit des Olympiasiegers war zumindest ein Thema am Rande: Eine Skihose wie eine Designerjeans, das fand Speiser klasse: "Die haben halt einen coolen Ausrüster."