Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 16.02.2010 23:00:00
Als sich ihr Kindheitstraum vom Olympiasieg erfüllt hatte, schlug Magdalena Neuner im Ziel ungläubig die Hände vors Gesicht. Bei der anschließenden Blumen-Zeremonie hüpfte sie wie ein kleiner Flummi auf das Podest und strahlte über das ganze Gesicht. "Ich kann gar nichts mehr sagen. Das ist der Wahnsinn", jubelte Neuner nach ihrem Husarenritt durch die Loipen von Whistler. "Jetzt freue ich mich am meisten auf die Zeremonie auf der Medals Plaza und darauf, die deutsche Hymne zu hören", sagte die sechsmalige Weltmeisterin gestern. Durch den Triumph sind die Deutschen jetzt erfolgreichste Nation bei Winterspielen: Neuner eroberte die 120. olympische Goldmedaille seit 1924. Mit einer fulminanten Lauf-Leistung und Nerven wie Drahtseile am Schießstand jagte die 23-Jährige im Whistler Olympic Park zu ihrer ersten Goldmedaille. Drei Tage nach dem Gewinn von Silber im Sprint bestätigte die Wallgauerin in der Verfolgung über 10 Kilometer ihre Ausnahmeform und ließ der Slowakin Anastasiya Kuzmina keine Chance. Rang drei belegte die Französin Marie Laure Brunet. Eine halbe Stunde nach dem Rennen legte Schweden Protest ein, weil drei Skijägerinnen aus dem skandinavischen Team zu spät gestartet sein sollen. "Das ist fantastisch. Diese Nervenstärke, dieser Wille. Das ist das Holz, aus dem Olympiasieger geschnitzt sind. Das war eine grandiose Leistung. Hut ab!", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach. "Meine Hochachtung. Das war Gold mit Ansage, das hat sie prima gemacht. Besser geht es nicht. Wir haben uns riesig gefreut", erklärte Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang. "Lena wusste genau, was sie wollte. Sie hatte ein brutales Selbstvertrauen. Für uns Erfahrene ist das schon sehr erstaunlich", lobte die dreifache Olympiasiegerin Kati Wilhelm, die von Rang 30 noch auf Platz zwölf stürmte. Andrea Henkel wurde Zehnte, Simone Hauswald belegte Rang 16. Nachdem Neuner im Liegendschießen zweimal fehlerfrei geblieben war, leistete sie sich im Stehend-Anschlag jeweils zwei Patzer. Da aber auch Kuzmina zwei Fahrkarten schoss, war der Weg zu Gold für Neuner frei. "Beim letzten Stehend-Schießen habe ich mir gesagt, jetzt geht es um alles. Den letzten habe ich dann noch vorbei gezittert, doch als ich aus der Strafrunde raus bin, wusste ich, das schaffst du, auch wenn du auf der letzten Runde sterben musst", sagte Neuner. Schon vor dem Rennen hatte die bayerische Frohnatur so locker gewirkt, als stünde ein Hobby-Rennen und nicht ein olympischer Wettkampf auf dem Programm. "Ich mache mir keinen Druck. Das habe ich vor dem Sprint nicht gemacht und das mache ich dieses Mal auch nicht", sagte Neuner. Mit diesem Selbstvertrauen ging sie auch in die Loipe und überholte die Slowakin bereits auf der ersten Runde. Die deutschen Biathleten haben dagegen das Wunder von Whistler verpasst. Beim Sieg des Schweden Björn Ferry kämpfte sich der dreifache Olympiasieger Michael Greis nach einer fulminanten Leistung in der Verfolgung über 12,5 Kilometer am gestrigen Dienstag zwar noch auf Platz fünf vor. Die Hypothek aus der Wetter-Lotterie beim Sprint am Sonntag war für den 33-Jährigen aber zu groß. Der Kanadier Jean Philippe Leguellec schnupperte zur Begeisterung der 5000 Zuschauer kurzzeitig an einer Medaille. Da der Lokalmatador aber aus der falschen Reihe gestartet war, musste er eine 30-Sekunden-Strafe hinnehmen und verpasste damit das Podest. Silber gewann der Österreicher Christoph Sumann. Sprint-Sieger Vincent Jay holte sich Bronze. "Mehr war heute nicht drin. Mit Michaels Leistung können wir sehr zufrieden sein. Auch Andi Birnbacher hat es sehr gut gemacht", sagte Bundestrainer Frank Ullrich zum 13. Platz des Schlechingers. "Schade, dass das Wetter am Dienstag gleich zwei Olympia-Rennen kaputt gemacht hat", sagte Ullrich. Wenn er im Einzel am Donnerstag einsetzen wird, will der Bundestrainer heute entscheiden.

 

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