Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 16.02.2010 23:00:00
Mit Charme, Carmen-Dutt und Charisma wirbt Katarina Witt in der virtuellen und realen Welt für die Münchner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018. "Ich habe gedacht, wenn wir da oben sitzen, erinnert sich jeder an die ,Carmen‘", sagte die 44-jährige Olympia-Botschafterin in Vancouver nach der Kurz-Präsentation des Münchner Konzepts vor der Weltpresse, "und die Frisur steht mir einfach gut."

Mit hochgesteckten Haaren siegte sie 1988 in Calgary mit ihrer legendären Darstellung des spanischen Vollweibs zum zweiten Mal nach 1984. Heute versucht das einst "schönste Gesicht des Sozialismus" die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu bezirzen, um Stimmen für München zu gewinnen.

"Ich glaube, dass man mir anmerkt, dass mein Herz noch für die Spiele und die Wettkämpfe schlägt", nennt Kati Witt einen Vorteil ihres Engagements. Ihre Anziehungskraft vor allem bei den vorwiegend älteren IOC-Herren ist ungebrochen. "Das Schöne ist, dass viele mich kennenlernen und über meine Vergangenheit reden wollen." Schließlich könne man nicht einfach rumlaufen und aufdringlich sein. "Es gibt einen Punkt, da muss man auch sehr sanft mit der Sache umgehen", sagte die Sächsin, von deren diplomatischem Geschick Münchens Bürgermeister Christian Ude begeistert ist: "Im Gespräch mit IOC-Mitgliedern habe ich erlebt, wie ehrlich und klug sie auf politische Fragen eingeht und wie atmosphärisch sie Menschen mitreißen kann."

Der früheren Eis-Königin ist dieses Sonderlob nicht entgangen. "Ich habe das gelesen und ich freue mich über das Kompliment, dass ich das Beste für München gebe", meinte Kati Witt, die bis zum Ende der Spiele einen prall gefüllten Terminkalender hat.

Die "Charme-Offensive" passt zu den "Friendly Games – Die freundlichen Spiele", die es in acht Jahren in München und seinen Außenstellen Garmisch-Partenkirchen und Königssee geben soll. Bundesinnenminister Thomas de Maizière versichert auf der Pressekonferenz in Vancouver, wo sich alle drei Bewerber um die Spiele 2018 kurz der Weltöffentlichkeit vorstellen durften, Deutschland habe aus seiner Vergangenheit gelernt.

Auch die Konkurrenten Annecy in Frankreich und Pyeongchang in Südkorea haben sich in Vancouver kurz vorgestellt. Die Bewerbung von Annecy wirkt auf den ersten Blick, vorangetrieben von Edgar Grospiron, Olympiasieger 1992 auf der Buckelpiste, wenig ernsthaft. Eine große Party für die ganze Welt will Grospiron veranstalten.

Pyoengchong, zum dritten Mal in Folge im Rennen, wird von drei Herren vertreten, die so griesgrämig dreinblicken, als hätten sie schon wieder verloren.