Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 17.02.2010 23:00:00
Beim "German Fan Fest" geht es um die Wurst. Schon Dutzende Meter vom Feten-Platz in Vancouver entfernt liegt der köstliche Duft in der Luft. Und dann fangen auch schon die Menschenschlangen an, schleppen sich den Bürgersteig an der West Cordova Street voran, langsam, geduldig, und das muss man auch sein, denn manchmal dauert es zwei Stunden, bis das Ziel erreicht ist: der Stand mit den heißen Platten, auf denen es brutzelt und zischt, und das große Zelt, aus dem ohrenbetäubender Lärm dringt.

Dicht gedrängt an langen Tischen sitzen da die Olympia-Fans, sie kommen aus aller Welt und schreien sich die Kehle wund, jeder für sein eigenes Team, jeder für seinen Athleten. Es ist gerade Snowboard Cross an der Reihe, ein großer Bildschirm an der Wand zeigt den Wettbewerb. Der Lärm erreicht neue Spitzenwerte, Bier ölt die Stimmen, Wernesgrüner Pils oder Köstritzer Schwarzbier. Erst morgens um zwei wird es ruhig, dann hat auch die Erfurter Band "Acoustica" zusammengepackt, nach ihren "entstaubten Klassikern im Tempo der Neuzeit". Aber keine Sorge: Noch acht Stunden, dann ist es wieder soweit – ab geht die Post.

Bratwurst, Bier und eine Band – Thüringen kennt die richtigen Erfolgszutaten. Der Landessportbund richtet den Fan-Schwoof an der Waterfront aus, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Tourismusgesellschaft des Bundes- landes. Es ist ein Volltreffer: Zwischen 4500 und 5000 Gäste kommen jeden Tag und vertilgen durchschnittlich 2000 bis 2500 Thüringer Bratwürstchen, so Pressesprecherin Nadin Preidel. Geschlachtet wird direkt in Vancouver, denn die Würstchen müssen nach kanadischem Gesetz aus Frischfleisch produziert werden. Thüringisch werden sie durch eine Gewürzmischung, die aus dem Bundesland eingeflogen wurde, und heruntergespült mit durchschnittlich 2000 Liter Bier pro Tag.

Billig ist der Spaß nicht, 8,50 kanadische Dollar (5,95 Euro) kostet der Plastikbecher Bier und sieben Dollar (4,90 Euro) die Wurst. "Aber das ist mir die Sache wert", sagt Silvia, die aus Brasilien zu den Winterspielen gekommen ist. Sie hat sich bei Jan aus Dänemark untergehakt, das Würstchenessen scheint auch zu verbinden.