Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 19.02.2010 23:00:00
Der neue Eiskunstlauf-Olympiasieger Evan Lysacek begann gerade, mit feuchten Augen und stolzem Blick die US-Flagge zu schwenken, da verließ sein Vorgänger Jewgeni Pluschenko wutentbrannt die Eisfläche des Pacific Coliseum. "Ich dachte, es war genug, und es hätte auch genug zum Gewinnen sein müssen", sagte der blonde Russe über seine eigene Leistung.

Wie ein trotziges Kind wollte der Europameister nicht wahrhaben, dass ihm der sonnenbankgegerbte Kalifornier mit der Familienpackung Gel im Haar das goldene Comeback vermasselt hatte. Lysacek legte eine fehlerfreie Kür, wenn auch ohne Vierfachsprung, vor und setzte seinen Rivalen unter Druck. Der Top-Favorit zeigte Nerven, hatte bei zwei Sprüngen Landeprobleme und verspielte seinen Vorsprung aus dem Kurzprogramm.

Vor 11 689 Zuschauern taxierten die Preisrichter die getragene Eleganz Lysaceks höher als die wuchtige Dynamik Pluschenkos, dessen nach wie vor einzigartige Kombination aus vierfachem und dreifachem Toe-Loop eingeschlossen.

Da prallten eben zwei Kufenwelten aufeinander, diesmal mit dem besseren Ende für den Künstler Lysacek, der Sportler Pluschenko sah sich aber ungeachtet seiner Niederlage als moralischer Sieger: "Ich bin nur ein einfacher Eiskunstläufer, aber ich denke, die Entwicklung muss immer weitergehen. Dreifache Sprünge habe ich schon als Zwölfjähriger gemacht."

Und befeuert von seiner hemmungslos schluchzenden Ehefrau Jana legte der Ex-Weltmeister verbal noch einmal nach: "Ein Olympiasieger ohne Vierfach-Sprung, ich weiß ja nicht … Das ist kein Herren-Eiskunstlauf mehr, das ist Tanzen."

Eine solche Mentalität möchte in Zukunft auch Stefan Lindemann seinen Schützlingen vermitteln. Geplagt von Rückenschmerzen und Achillesseh- nenbeschwerden schloss der Berliner seine mehr als zehnjährige internationale Karriere mit einem 22. Platz ab. "Das ist schon ein bisschen unbefriedigend, aber ich war immerhin noch einmal bei Olympia dabei", sagte der 29-Jährige, der nahtlos die Seiten wechseln und Trainer werden will.