Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 19.02.2010 23:00:00
Eine Woche Olympia in Vancouver und noch kein einziger Dopingfall – Professor Werner Franke scheint Recht zu behalten. "Wer da hinreist und erwischt wird, muss aus Doofmannshausen kommen", hatte der als Dopingjäger bekannte Molekularbiologe aus Heidelberg vor den Winterspielen gesagt. Franke geht weiterhin davon aus, dass "in den Ausdauerwettbewerben die Mehrzahl der Spitzenathleten gedopt ist". Zudem würden die Athleten von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) übers Jahr "unintelligent" getestet und seien bei Olympia vorgewarnt.

Franke wirft den Verbänden samt Internationalem Olympischem Komitee (IOC) vor, sie könnten deutlich intelligentere Kontrollen durchführen, wenn sie nur wollten. Seine Folgerung: "Es gibt weiter weltweit toleriertes Doping." Nach wie vor gebe es für potenzielle Doper zu viele Schlupflöcher, auch weil etliche Substanzen auf lange Sicht nicht aufzuspüren seien. Doch seit dem 4. Februar seien alle auf der Hut. Jeder wisse, dass seit Öffnung des olympischen Dorfes selbst nach jenen Substanzen gefahndet werde, die ansonsten in Trainingsphasen erlaubt seien.

Bach und IOC-Präsident Jacques Rogge gehen auf Behauptungen wie jene von Werner Franke nicht ein. Bach verweist auf Verbesserungen im Kontrollsystem und eine Steigerung der durchgeführten Tests gegenüber Turin 2006 (1200 auf 2000) um fast 70 Prozent. Und vor allem auf die Tatsache, dass die Proben von Vancouver für spätere Tests auf derzeit nicht nachweisbare Mittel für acht Jahre eingefroren werden. Auf diesem Weg wurden seit Olympia 2008 in Peking schon etliche Athleten nachträglich überführt. Nach 397 Wettkampf-Kontrollen (davon 65 Blutproben) wurden bisher rund 300 Proben negativ analysiert. Außerhalb der Wettkämpfe gab es seit Öffnung des Athletendorfes 877 Kontrollen (246 Blut) ohne weiteren positiven Fall.