Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 25.02.2010 23:00:00
Als die goldene Sensation perfekt war, brach Viktoria Rebensburg fassungslos in Tränen aus. Während die "Alten", Kathrin Hölzl und Maria Riesch, schwächelten, fuhr das "Küken" das Rennen seines Lebens und völlig überraschend als erste Deutsche seit 54 Jahren im Riesenslalom zum Olympiasieg.

"Gold – ein Traum. Unglaublich, das hätte ich niemals gedacht", sagte Rebensburg, die noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hat. Im Nebel von Whistler behielt die 20-Jährige dennoch den Durchblick und folgte der legendären Rosa "Ossi" Reichert auf den Olymp.

Reichert war 1956 in Cortina d’Ampezzo als bislang einzige Deutsche zu "Riesen"-Gold gefahren. Ihre Nachfolgerin ist die zwölfte deutsche Olympiasiegerin bei den Alpinen. Fünf Tage zuvor hatte Maria Riesch Gold in der Kombination gewonnen.

Während Hölzl als Sechste und Riesch auf Platz zehn hinter den Erwartungen zurückblieben, stürzte Rebensburg ein ganzes Team ins Gefühlschaos. "Die Endorphine spielen verrückt, damit konnte keiner rechnen", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier. Riesch fand es "super, einfach Wahnsinn", und auch Hölzl vergaß für einen Moment ihre große Enttäuschung: "Ich freue mich für die Viki. Der erste Sieg, und dann gleich Olympiasiegerin. Das ist schon geil", sagte sie.

Silber gewann Tina Maze aus Slowenien, die auch im Super-G Rang zwei belegt hatte. Elisabeth Görgl holte wie in der Abfahrt Bronze. Die Österreicherin hatte nach dem ersten Lauf am Mittwoch geführt, verlor nach der wetterbedingten Verschiebung des zweiten Durchgangs auf Donnerstag über Nacht die Konzentration – und machte den Weg für Rebensburg frei.

"Ich war am Start komischerweise gar nicht mehr nervös und habe einfach einen guten Lauf runtergebracht", sagte Rebensburg, die den deutschen Alpinen die beste Olympiabilanz seit 1998 bescherte: Damals hatten in Nagano Katja Seizinger (Abfahrt und Kombination) und Hilde Gerg (Slalom) sogar drei Goldmedaillen gewonnen.

Die "Viki", wie sie im Team nur genannt wird, wiederholte mit ihrem Olympiasieg Hölzls Coup, die vor einem Jahr zu WM-Gold fuhr, ohne zuvor ein Weltcup-Rennen gewonnen zu haben. Insider hatten ihr schon länger den ganz großen Wurf zugetraut. Die dreimalige Junioren-Weltmeisterin gilt als größtes Talent im Deutschen Skiverband.

"Die Viki ist ein echtes Rennpferd", sagt Cheftrainer Mathias Berthold über Rebensburg – allerdings eines, das er zügeln musste. Rebensburg riskierte oft zu viel und verpasste so größere Erfolge. "Jetzt ist sie endlich konstanter geworden", sagte Berthold vor wenigen Wochen – nicht ahnend, wohin die Konstanz führen würde.

In der Gesamtzeit von 2:27,11 Minuten hatte Rebensburg 0,04 Sekunden Vorsprung auf Maze. Görgl lag 0,14 zurück. Hölzl verpasste Bronze um 0,33 Sekunden, Riesch um 0,72. Deutsche Frauen haben im Riesenslalom bei Olympia jetzt schon acht Medaillen gewonnen.

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