Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 25.02.2010 23:00:00
Magdeburg. Es hatte sich doch so schön angehört: Da war im Zuge des Amtsantritts von SCM-Interimstrainer Sven Liesegang davon die Rede, dass man sich gemeinsam auf die Magdeburger Tugenden zurückbesinnen wolle. Tempohandball sollte gespielt, und aus einer starken Deckung heraus im Tempogegenstoß Tore geschossen und viel mehr einfache Treffer erzielt werden.

Doch was die Zuschauer, die am Mittwochabend neugierig und erwartungsfroh in die Bördelandhalle zum Spiel gegen FrischAuf Göppingen gepilgert waren, dann vor allem in der ersten Halbzeit von ihren "Grün-Roten" geboten bekamen, war nicht Handball zum Hin-, sondern zum Wegschauen.

Schon der Beginn legte den Verdacht nahe, die Spieler würden sich noch im Winterschlaf befinden (2:6/8. Minute). Die Deckung agierte nahezu bewegungs- und körperlos. Dahinter bekamen weder der beginnende Eijlers noch der zwischenzeitlich eingewechselte Müller eine Hand an den Ball. So kamen der wie eine Rakete gestartete Rückraumkanonier Lars Kaufmann auf der linken oder Michael Haaß auf der rechten Seite frei zum Wurf. Um genau zu sein: In den ersten 20 Minuten schenkte das Nationalspieler-Duo dem SCM zehmal ein. So waren die Gastgeber nach 22 Minuten schon recht deutlich mit 10:16 in den Rückstand geraten.

"Ich glaube, bei den ersten acht Toren bestand überhaupt kein Körperkontakt – das geht eigentlich gar nicht", war auch SCM-Geschäftsführer und Ex-Abwehrchef Steffen Stiebler erstaunt über die enttäuschende Halbzeit-Vorstellung der Magdeburger, die dann zu Beginn der zweiten Hälfte zeigten, dass sie auch anders können – auch wenn die Aufholjagd zur zwischenzeitlichen 24:23-Führung (47.) nicht zum erhofften Happyend führte.

Auch Liesegang haderte mit der Leistung seiner Mannschaft: "Wir haben überhaupt nicht ins Spiel gefunden, da hat wohl die Einstellung nicht gestimmt. Wer so passiv und lethargisch auf der Platte steht, der braucht sich nicht zu wundern, dass man mit sechs, sieben Toren hinten liegt."

Dabei hatten die Spieler gewusst, was sie erwartet: "In der Vorbereitung lag der Fokus ganz klar darauf, die Räume für die drei starken Rückraumspieler eng zu machen. Das ist uns anfangs aber nur bei Thiede einigermaßen gut gelungen. Gegen Kaufmann und Haas sind wir dagegen nicht aggressiv genug gewesen", sagte Rechtsaußen Robert Weber, der mit sieben Treffern bester Magdeburger Torschütze war. Eine Folge der schwachen Abwehrleistung sei dann auch gewesen, dass auch die Keeper im Kasten "ziemlich alt" aussahen. "In der zweiten Hälfte hat man ja dann gesehen, dass, wenn das Zusammenspiel besser klappt, auch nach vorn etwas geht", so der Österreicher, der aus dieser positiven Erfahrung Optimismus für das am Sonntag anstehende Auswärtsspiel bei TSV Hannover-Burgdorf (15 Uhr/AWD-Hal) schöpft: "Wir sind auf dem richtigen Weg, man spürt, dass alle wollen. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass der Knoten bald platzt. Unser erklärtes Ziel ist es, in den nächsten drei Spielen mindestens vier Punkte zu holen. Und wenn wir in Hannover an die Leistung der zweiten Halbzeit anknüpfen, gleich von Beginn an die entsprechende Aggressivität an den Tag legen, dann könnten wir schon die halbe Miete einfahren."