Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 25.02.2010 23:00:00
Mit dem fürchterlichen Sturz in der berüchtigten "Fifty-Fifty"-Kurve platzten beim erfolgreichsten Bob-Duo des Winters die olympischen Medaillenträume. Doch die mit Hautabschürfungen verletzte Bremserin Romy Logsch nahm das Desaster mit Galgenhumor. "Das war mein erster Sturz, nun bin ich eine richtige Bobfahrerin", meinte die Leipzigerin, nachdem sie mit voller Wucht in Kurve 13 bei Tempo 146 aus dem Zweierbob geschleudert worden war. Chefpilotin Cathleen Martini stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben. "Wir sind heile, uns geht’s gut. Ich habe versucht, auf Angriff zu fahren und war nicht schlecht unterwegs. Dann haben wir alles riskiert – Sekt oder Selters da unten. Ich konnte es einfach nicht mehr retten", meinte Martini, die offene Wunden an der Schulter und am rechten Arm davontrug.

Der Sturz war symptomatisch für die desaströsen Fahrleistungen der deutschen Frauen, die erstmals in ihrer achtjährigen Olympia-Geschichte bei der Medaillenvergabe leer ausgingen. Nach der ersten Angst um Logsch herrschte Ratlosigkeit im deutschen Lager. "Natürlich hätten wir gern eine Medaille gewonnen. Wir waren immerhin den ganzen Winter vorne dabei. Aber das Ergebnis hat sich schon im Training abgezeichnet", sagte Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).

Gold und Silber auf der Heimbahn in Whistler gingen an Kanada. Hinter den siegreichen Favoriten Kaillie Humphries/Heather Moyse rasten Helen Upperton/Shelley Ann Brown noch auf den Silberrang vor Erin Pac/Elana Meyers (USA). Auch Turin-Olympiasiegerin Sandra Kiriasis konnte nicht in die Entscheidung eingreifen und verfehlte als Vierte die Bronzemedaille deutlich. "Ich bin sauer, dass ich hier nicht einen einzigen Lauf getroffen habe", klagte die 35-Jährige. Claudia Schramm aus Oberhof kam auf Rang sieben.

Nach dem ersten Gesundheitscheck war Martini wieder gefasst: "Die innere Enttäuschung ist größer als die äußeren Schmerzen", gab sie zu – und verdrückte ein paar Tränen. Minuten später war sie beim Spaziergang an der Bahn etwas entspannter: "Ich habe gerade meine Mama angerufen, sie weiß erstmal, dass es mir gut geht." Nun will Martini in Sotschi 2014 neu angreifen. Ob Kiriasis dann dabei sein wird, ist fraglich: "Ich glaube nicht, doch man sollte niemals nie sagen. Ich werde nach Hause fahren und überlegen. Ohne Spaß habe ich auch keine Lust mehr."