Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 26.02.2010 23:00:00
In seiner ersten Wut und Enttäuschung über die umstrittene letzte Olympia-Entscheidung in der Nordischen Kombination sprach Bundestrainer Hermann Weinbuch der Jury die Kompetenz ab. Später, beim Sachenpacken für den Rückflug am Freitag, war er immer noch verärgert über einen Sprung-Wettbewerb, der so nie hätte stattfinden dürfen. Dennoch konnte er das Leistungsvermögen seiner Athleten realistisch einordnen. "Wir hätten auch so nicht mithalten können. Es gab körperliche und materialtechnische Defizite", sagte der Trainer. Die selbstgesteckten Ziele, zwei Medaillen, hatten seine Schützlinge nicht erreicht. Erstmals seit 1998 errangen die deutschen Kombinierer keine Einzelmedaille. Bronze im Team-Wettbewerb blieb als Trostpflaster.

Die Diskussion entzündete sich an dem von der Jury in Whistler durchgepeitschten Springen von der Großschanze. "Es waren irreguläre Bedingungen. Alle Trainer haben sich dafür eingesetzt, dass der Wettkampf verschoben wird. Aber es brachte nichts, man hat nicht auf uns gehört. Die Jury weiß alles besser", schimpfte Weinbuch.

"Der Unterschied zwischen der Jury und dem Athleten ist der, dass sich der Athlet vier Jahre vorbereitet", sagte der dreimalige Olympiasieger Felix Gottwald aus Österreich. Und Tino Edelmann (Zella-Mehlis) fügte hinzu: "Ehe ich mich in Rage rede, gehe ich lieber." Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt), als 20. bester Deutscher, meinte sarkastisch: "Wir hatten eine professionelle Jury. Sie hat ihre Sache gut gemacht." Resigniert stellte der Sachse fest: "Wir Sportler sind doch das fünfte Rad."

Der Windkorridor, der von 1,5 Meter pro Sekunde Aufwind bis 1,5 m/s Rückenwind fest- gelegt worden war, ließ Weiten-unterschiede von 30 Meter zu. "Warum in aller Welt konnte unser Wettkampf nicht verlegt werden? Bei den Alpinen geht es nach Belieben. Die Nordische Kombination hat eben keine Lobby. So tut man dem olympischen Gedanken keinen Gefallen", betonte Weinbuch.

Die missratene Olympia- Bilanz ließ Weinbuch aber auch auf Grundprobleme aufmerksam werden. "Die Mannschaft ist nicht in Top-Form an den Start gegangen. Einzig Eric Frenzel wäre in der Lage gewesen, ganz vorn dabei zu sein. Doch bei den Windbedingungen, die er in seinen Wettkämpfen hatte, hatte er keine Chance", analysierte der Bundestrainer.

Sowohl Edelmann als auch Kircheisen seien nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen. Zudem wären läuferische Defizite zutage getreten. "Da müssen wir zulegen. Wir werden vor der neuen Saison eine höhere Belastung suchen. Bislang hatten wir uns mit der Intensität eher nach den älteren Athleten im Team gerichtet, das werden wir ändern", kündigte Weinbuch an.

Um die Zukunft der Kombinierer ist dem Bundestrainer nicht Bange. Das Bronze-Team hatte ein Durchschnittsalter von 22 Jahren. "Wir hatten eine sehr junge Mannschaft hier. Sie musste Lehrgeld zahlen, aber wir werden sie weiter ausbilden. Dieser Aufgabe würde ich mich gerne stellen", bemerkte Weinbuch auch im Hinblick auf die DSV-Personalgespräche im Frühjahr.