Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 01.03.2010 23:00:00
Die deutsche Wintersportnation bleibt eine Großmacht auf Eis und Schnee, darf aber die neuen olympischen Trends nicht verschlafen. "Hut ab, Chapeau! Es ist ein fantastisches Ergebnis gegen eine viel stärkere Konkurrenz", bilanzierte Chef de Mission Bernhard Schwank die XXI. Olympischen Winterspiele in Vancouver.

Der Spitzenplatz von Turin ging zwar verloren, obwohl Axel Teichmann mit Silber im Langlauf-"Marathon" die 30. Medaille – eine mehr als 2006 – gewonnen werden konnte. "Wir können stolz auf unsere Mannschaft sein und haben herausragende Olympische Spiele erlebt", sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Besonders stark trumpfte das "schwache Geschlecht" im deutschen Team auf. 19 der 30 Medaillen gingen auf das Konto der Frauen, die zudem acht der zehn Gold-Stücke gewannen und damit Deutschland (10 Gold/13 Silber/7 Bronze) auf Toprang zwei gehievt. Von Platz eins im Medaillenspiegel war Gastgeber Kanada mit 26 Edelplaketten (14/7/5) nicht mehr zu verdrängen. Die USA wurde trotz der olympischen Rekordzahl von 37 Medaillen (9/15/13) nur Dritter.

Hausaufgaben muss aber auch der DOSB machen, der in den Trendsportarten Shorttrack, Snowboard und Freestyle nichts Zählbares erreichte. "Die Analyse hat schon begonnen, da brauchen wir ein Umdenken", erklärte Bach. Immerhin gibt es in in diesen modernen Disziplinen 60 Medaillen zu gewinnen. Die deutsche Wintersport-Kultur ist aber eher klassisch und konservativ geprägt.

Zustimmung erhält er von Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV). "Wie wollen wir im Medaillenspiegel 2014 und 2018 unter den Top drei bleiben, wenn wir diese Dinge nicht mit abdecken", sagte er. "Zumal die Luft in den klassischen Disziplinen immer dünner wird." Dies spürte der DSV generell bei den Vancouver-Spielen, wo die Medaillen-Rechnung von 15 Podestplätzen im letzten Augenblick durch Teichmanns-Coup noch aufging. Ein "großes Ausrufezeichen" waren für ihn die drei alpinen Olympiasiege von Maria Riesch (Kombination/Slalom) und Viktoria Rebensburg (Riesenslalom) sowie zweimal Gold durch Biathlon-"Königin" Magdalena Neuner und dem siegreichen Langlauf-Duo Evi Sachenbacher-Stehle/Claudia Nystad. Dagegen bleiben nach dem Debakel der Biathlon-Männer, der Pleite der Eishockey-Spieler und dem schwachen Abschneiden der Nordischen Kombinierer große Fragezeichen. "Die Biathlon-Männer sind die großen Verlierer in unserem Verband", stellte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller fest. Keine gute Werbung war auch der schlechteste Olympia-Auftritt der sieg- und punktlosen Puckjäger vor der anstehenden Weltmeisterschaft in Deutschland.

Einmal mehr lenkten die Bob-Fahrer und Rodler ihre Kufen-Geräte in die Erfolgsspur. Mit zwei Olympiasiegen und weiteren drei Medaillen ist Deutschland erneut die Nummer eins in der Rodel-Welt. Bob-Pilot André Lange avancierte mit seinem vierten Olympia-Gold (plus Silber) zu einem der größten deutschen Wintersportler.

Nachdem von den 153 deutschen Athleten 54 an Medaillen-Gewinnen in zehn der 15 Sportarten beteiligt waren, muss der DOSB nach den Spielen in einem anderen Wettbewerb weiterkämpfen: Denn ein Sieg Münchens bei der Bewerbung um Olympia 2018 würde dem deutschen Sport einen großen Schub geben.