Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 17.03.2010 23:00:00
Aarau (dpa). Die Abstinenz ist vorbei – endlich. Nach 413 Tagen ohne lief Handball-Profi Pascal Hens erstmals wieder mit dem Adler auf der Brust auf. Und der Hamburger genoss im ersten Testländerspiel gegen die Schweiz das lang vermisste Gefühl, für sein Land zu spielen. "Ich freue mich natürlich, wieder dabei zu sein. Die Nationalmannschaft ist für jeden etwas Besonderes", sagte der Rückraum-Shooter nach dem enttäuschenden 26:26 in Aarau gegen die Eidgenossen, zu dem er drei Tore beisteuerte.

24 Stunden später setzte sich das Brand-Team gestern in Stuttgart gegen die Eidgenossen mit 34:26 (17:13) durch. Beste Werfer für die diesmal wesentlich engagierter auftretenden Gastgeber waren vor den 4500 Zuschauern in der Porsche-Arena Dominik Klein, Dragos Oprea, Michael Müller, Lars Kaufmann und Sebastian Preiß.

Hens, der in Abwesenheit des etatmäßigen Spielführers Michael Kraus die Kapitänsbinde trug, hatte zuletzt am 27. Januar 2009 bei der WM in Kroatien seine Wurfgewalt eingesetzt. Danach hatten Blessuren und die Vernunft eines "gereiften" Mannes weitere Einsätze des 2,03-m-Hünen verhindert.

Einige kommen halbwegs ungeschoren durch die harte Handball-Mühle, nicht so Hens. Seine Verletzungsliste ist lang: Bänderriss im Ellenbogen, Handbruch, Bandscheibenvorfall und Aus bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, Schienbeinkopfbruch und abermaliges Olympia-Aus 2008 in Peking, Fuß-Operation Juli 2009. Um sich nach dieser nicht zu schnell wieder zu hohen Belastungen auszusetzen, hatte Hens die EM im Januar dieses Jahres "schweren Herzens" abgesagt. "Es war richtig", sagte er rückblickend.

Geschuldet ist die Krankenakte Hens nicht nur dem überbordenden Terminkalender im Handball, sondern auch dem unvergleichlichen Spiel des 29-Jährigen. Immer volle Pulle, mitten rein. Schmerzen werden dabei billigend in Kauf genommen – für den eigenen Erfolg, aber vor allem den des Teams.

"So ist halt mein Spiel", charakterisierte Hens einst seinen "Harakiri-Stil". Geändert hat sich das auch im Jahr 2010 nicht. Gegen die Schweiz lag er bereits in der dritten Minute nach einem Zusammenprall mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden – mit einem Bluterguss im Oberschenkel ging’s weiter. "Einen Pferdekuss muss ich auslaufen, sagt mein Trainer", scherzte der Rechtshänder nach dem Abpfiff.

Manche hätten angesichts der vielen Rückschläge schon längst Handball Handball sein lassen. Nicht so "Pommes". "Verletzungen sind zwar bitter. Aber aufgeben – niemals", ist das Credo des Hamburgers, der am 26. März seinen 30. Geburtstag feiert. Reifer ist er geworden, nicht erst durch die Heirat mit seiner Freundin Angela im Juni vergangenen Jahres.