Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 19.03.2010 23:00:00
Jubel beim VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV – bedrückte Gesichter bei den Kickern von Werder Bremen. Während die Wolfsburger (2:1 in der Verlängerung gegen Rubin Kasan) und die Hamburger (trotz 3:4-Niederlage beim RSC Anderlecht) im Viertelfinale der Fußball-Europa-League stehen, reichte den Bremern das 4:4 gegen Valencia nicht zum Weiterkommen.

Wolfsburg (dpa). Nach der rauschenden Europapokal-Nacht stieg das Selbstvertrauen ins Unermessliche. Der VfL Wolfsburg fühlt sich nach dem hart erkämpften Viertelfinaleinzug in der Fußball-Europa-League gegen den starken russischen Meister Rubin Kasan gerüstet für den ganz großen Wurf. "Wir sind der deutsche Meister und müssen uns vor niemandem verstecken", tönte Christian Gentner, der den gleichermaßen erlösenden wie verdienten 2:1-Siegtreffer eine Minute vor dem Ende der Verlängerung erzielte und den VfL erstmals in seiner Geschichte in das Viertelfinale eines Europapokals schoss.

Der VfL ist fest entschlossen, den aktuellen Lauf von acht Pflichtspielen ohne Niederlage zu nutzen, um eine scheinbar schon verkorkste Saison doch noch zu krönen. "Wir wollen auch die nächste Runde meistern. Der Europapokal-Sieg ist höher anzusiedeln als der fünfte Platz in der Liga", sagte Gentner.

Obwohl am späten Donnerstagabend nur 15 412 Zuschauer in die VW Arena gekommen waren, ist die Europapokal-Euphorie in Wolfsburg endgültig entfacht. "Jetzt im Viertelfinale der Europa League zu stehen, ist ein Traum", bekannte Torjäger Edin Dzeko. Nach der überraschenden Führung Kasans durch Alan Kasajew (21.) stand der VfL nach dem 1:1 im Hinspiel vor einer Herkules-Aufgabe gegen die bärenstarken Tataren.

Der Hamburger SV wird zur Schießbude. Erst vier Gegentore bei Bayer Leverkusen (2:4), dann nochmals ein Viererpack beim RSC Anderlecht (3:4) – die Hanseaten scheinen Gefallen am "Tag der offenen Tür" gefunden zu haben. Wäre da nicht die Freude über den Einzug ins Viertelfinale, das in der Summe mit einem 6:5 gegen Belgiens Rekordmeister Anderlecht erzittert wurde, so müssten sich Mannschaft und Trainer vor Seelenpein in den Schlaf weinen. Was die Hamburger derzeit vor allem in der Defensive bieten, verdient schlichtweg das Prädikat ungenügend. Und morgen kommt Schalke.

Das bittere Ende ihrer Europa-Tournee war kaum verdaut, da dachten die niedergeschlagenen Bremer Pokal-Spezialisten schon an ihre letzte Titel-Chance. "Der DFB-Pokal ist das einzige, was uns noch übrig bleibt", bilanzierte Clemens Fritz nach dem Aus in der Europa League. Zuvor hatte Werder beim 4:4 gegen den FC Valencia ein wahnwitziges Fußball-Spektakel geboten. Warum der Bundesliga-Sechste trotz eines Offensiv-Feuerwerks und großartiger Moral die lange Liste der "Wunder von der Weser" nicht erweitern konnte, war Per Mertesacker ein Rätsel: "Es ist schwer zu erklären, warum wir ausgeschieden sind", sinnierte er nach dem Achtelfinal-Rückspiel. 90 Minuten war es bei dem "offenen Schlagabtausch" (Hugo Almeida) hoch und runter gegangen, Werder besaß Chancen für drei Partien. Und trotz des 1:3-Halbzeitrückstands hatten die Vorjahresfinalisten "das Gefühl, sehr nah am Weiterkommen zu sein", wie Mertesacker schilderte. Auch auf den Rängen wurde in der Pause in Erinnerungen gekramt, wann zuletzt ein schon verloren geglaubtes Europapokal-Spiel gedreht wurde. Doch Valencia tat dem DFB-Pokalsieger nicht den Gefallen, der Bremer Clubhistorie ein ruhmreiches Kapitel hinzuzufügen.