Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wolmirstedt PZS: WMS Prio: höchste Priorität IssueDate: 24.03.2010 23:00:00
Michael Schumacher gönnte sich mit Gattin Corinna einen entspannten Kurzurlaub in Australien, Sebastian Vettel relaxte beim Boomerang-Werfen und Didgeridoo-Spielen. Die beiden deutschen Formel-1-Aushängeschilder ließen es in Melbourne vor dem zweiten Saisonrennen trotz gewisser Auftakt-Enttäuschungen locker angehen.

Melbourne (dpa). "Wie in den vergangenen Jahren war ich auch diesmal schon sehr früh auf dem Kontinent und habe mir einige schöne Tage zum Trainieren, Anpassen und Relaxen gegönnt, damit ich zum Rennwochenende fit und ausgeruht bin", teilte Schumacher mit. Vettel versicherte nach einem Schnellkurs am Mittwoch in zwei zentrale Kulturbestandteile der Aborigines: "Das ist ganz schön schwierig, macht aber Spaß."

Gleich bei seinem ersten Versuch erfuhr Vettel, wie tückisch das gebogene Holzwurfgerät der australischen Ureinwohner bei mangelhafter Technik und wechselndem Wind fliegen kann: Der Red-Bull-Pilot schleuderte den Bumerang auf ein neben dem Football-Platz der Melbourne Highschool geparktes Auto, verursachte jedoch keine Beule. Aber dann glückten die Würfe dank der Tipps seines Lehrers Ron Murray immer besser. "Er hat Talent", bescheinigte der Vermittler von Aborigine-Kultur dem Anfänger. Zudem bewies der Vize-Weltmeister musikalische Fähigkeiten mit dem Didgeridoo: Gleich beim ersten Versuch entlockte er dem als schwierig geltenden Holzinstrument durchaus passable Töne.

Während Vettel seine Freizeitaktivitäten in aller Öffentlichkeit genoss, erholte sich Schumacher ohne Fotografen und Fernsehreporter. Unter anderem fuhr der Fitness-Freak viel Fahrrad. Am Mittwochnachmittag besuchte der Mercedes-Pilot dann im Fahrerlager sein altes Team. Im Ferrari-Motorhome ließ sich der "Abtrünnige" Pasta schmecken und plauderte angeregt mit Angehörigen der Scuderia.

Auf seinen 17. Start "down under" nach drei Jahren Pause freut sich der prominente Rückkehrer und Australien-Liebhaber besonders. "Australien ist immer irgendwie ein Highlight im Formel-1-Kalender, das hat sich für mich in all den Jahren nie geändert", sagte Schumacher. Viermal und damit so oft wie kein anderer Fahrer hat der 91-fache Grand-Prix-Gewinner auf dem Albert Park Circuit triumphiert.

Am Sonntag (Start: 8.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) zählt Schumacher allerdings nicht zu den Siegkandidaten. Der neue Silberpfeil ist laut Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug noch nicht siegfähig. Und Schumacher, der mit seinem sechsten Platz von Bahrain im Gegensatz zu vielen Kritikern zufrieden war, sieht den zweiten Saisonlauf eher als weiteren Schritt auf dem Weg zurück zu alter Stärke. "Ich bin sicher, dass Melbourne mir helfen wird, noch besser in den Rhythmus zu kommen", sagte der 41 Jahre alte Kerpener.

Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone mahnte auf alle Fälle schon mal zur Geduld. "Gebt ihm Zeit!", sagte der Brite in einem Interview der "Sport Bild". "Er ist gerade erst zurück, war lange Zeit in den Ferien." McLaren-Mercedes-Rivale Lewis Hamilton traut Schumacher schon zu, besser als in Bahrain abzuschneiden. "Und wenn er ein Auto zum Gewinnen hat, hat er auch die Chance auf den Sieg", sagte der Weltmeister von 2008.

Ein Auto zum Gewinnen ist der Red Bull. Deshalb hat Vettel den Frust über den verpassten Sieg wegen einer kaputten Zündkerze in Sachir längst überwunden, er schaut optimistisch auf den Melbourne-Grand-Prix. "Es gibt keinen Grund, warum wir hier nicht gut sein sollten", sagte der 22 Jahre alte Titelkandidat. "Das Auto geht gut, das macht uns selbstbewusst. Mein Ziel ist der Sieg." Durch die kaputte Zündkerze fehlten dem Renault-Motor des Red Bull etwa 75 PS an Leistung. Dass er nochmal durch so einen Defekt aus der Bahn geworfen wird, glaubt Vettel allerdings nicht: "So etwas passiert nur ganz selten, vielleicht alle zehn Jahre mal." Als schärfste Konkurrenten stuft Vettel erneut Ferrari ein.

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