Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Stendal PZS: SDL Prio: höchste Priorität IssueDate: 23.03.2010 23:00:00
Deutschlands Spitzenmannschaften bestimmen das Niveau des Kegelsports auf diesem Planeten mit. Das Fatale: Ausgerechnet in jenen Minuten, als die Classic-Kegler von Rot-Weiß Zerbst am Wochenende ins Finale der Champions League einzogen, das sie zudem am Sonntag auch noch gewannen, setzte sich bei der deutschen Classic-Konferenz das erzkonservative Präsidium mit einer Stimme Mehrheit durch.

Magdeburg. Eine folgenschwere Entscheidung. Die Konsequenzen bezeichnet der in Schönebeck beheimatete Präsident des Classic-Verbandes Sachsen-Anhalt, Peter Richter, als "verheerend, denn es fehlt das klare Bekenntnis dieses Präsidiums zum Hochleistungssport. Präsident Alfred Altmann hat außerdem zum wiederholten Mal die unsägliche Ost-West-Konfrontation heraufbeschworen."

Die Vorgeschichte: Das in vielen Landesverbänden umstrittene Präsidium der deutschen Classic-Kegler war am Sonnabend auf der turnusmäßigen Classic-Konferenz im hessischen Viernheim mit der hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme in seinem Amt bestätigt worden.

Aufschlussreich war, dass es die Koalition aus den sechs ostdeutschen Landesverbänden sowie Niedersachsen und Württemberg auf 31 Stimmen brachte. Dagegen summierte sich der Zusammenschluss der Verbände Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden auf 27 Stimmen. Zusammen mit den fünf Präsidiumsmitgliedern erreichten Letztere 32 Stimmen – eine mehr als die "Opposition". Diese wiederum beabsichtig nun, gerichtlich gegen das Abstimmungsergebnis von Viernheim vorzugehen. Peter Richter: "Wir prüfen rechtliche Schritte, weil das Präsidium Formfehler gemacht hat und wir ihm die Fähigkeit absprechen, unseren Verband gemäß seiner eigenen Satzung zu leiten."

Dem deutschen Verband der Classic-Kegler gehören immerhin rund 77 000 Mitglieder an.

Der Vereins-Präsident von Rot-Weiß Zerbst, Lothar Müller, berichtet gar von Transparenten gegen das amtierende Präsidium des Deutschen Kegelbundes Classic (DKBC) vor der Tagungsstätte in Viernheim: "Das war schon heftig." Was Müller jedoch die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist der erneute Schaden für seine Sportart, das Classic-Kegeln, nachdem vor gut einem Jahr ein "Putschversuch" gegen das Präsidium gescheitert war. Die Classic-Verbandsspitze war Ende vergangenen Jahres aus der internationalen Föderation ausgetreten und hatte damit formal die Zerbster ihrer Chance auf den Gewinn der Champions League beraubt. Erst ein Beschluss des übergeordneten Deutschen Kegler- und Bowlingbundes (DKB) hatte in letzter Sekunde diesen unsäglichen Beschluss für null und nichtig erklärt und den Zerbstern sowie Victoria Bamberg die Tür in die Champions League weiter offengehalten.

Müller jedoch hat noch nicht alle Hoffnung verloren: "Wir versuchen zu überleben und sind ständig auf der Suche nach Sponsoren. Doch mit seiner Großmannssucht macht das Präsidium unsere Arbeit zunichte."