Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 23.03.2010 23:00:00
Gestern vormittag gegen 9.30 Uhr wusste Steffen Baumgart Bescheid: Soeben hatte ihn Präsident Volker Rehboldt von seinen Aufgaben als Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg entbunden. Die Club-Krise erreichte damit ihren vorläufigen Höhepunkt.

Magdeburg. Der mit hohen Erwartungen in die Saison gestartete FCM zog gestern erwartungsgemäß die Notbremse, nachdem die Rückrundenbilanz (nur ein Punkt aus den ersten fünf Spielen) katastrophal ausgefallen und die Mannschaft schon frühzeitig aus dem Aufstiegsrennen ausgeschieden war.

Der neue Mann an der Seitenlinie heißt vorübergehend Carsten Müller. Der bisherige Baumgart-Assistent und Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums leitete gestern bereits das erste Training und sitzt heute (16 Uhr, Edmund-Plambeck-Stadion in Norderstedt) beim fälligen Nachholspiel gegen den Hamburger SV II auf der Bank.

Wann der neue Mann beim FCM seinen Dienst antritt, ließ Präsident Volker Rehboldt offen. Der Club will verständlicherweise eine zeitnahe Lösung. "Kein Spieler unterschreibt hier, wenn nicht klar ist, wer neuer Trainer wird", weiß Rehboldt, der noch einmal bekräftigte, dass er von der Mannschaft maßlos enttäuscht sei und nicht ausschloss, sich von "bis zu zehn Akteuren zu trennen".

Konkrete Verhandlungen gab es nach Volksstimme-Informationen bereits mit Dietmar Demuth vom SV Babelsberg. Doch auch der momentan beschäftigungslose Andreas Zachhuber (zuletzt Hansa Rostock) wurde in Magdeburg gesehen. Auf Kandidaten angesprochen, erklärte der Präsident: "Kein Kommentar."

Baumgart selbst verhielt sich auch in seiner schwersten Stunde absolut professionell, hatte sich von der Mannschaft verabschiedet und stand auch den Medien Rede und Antwort. "Ich danke dem FCM, dass ich hier ein Jahr lang Trainer sein durfte. Es war trotz der momentanen Enttäuschung eine schöne Zeit, und ich wünsche dem Verein alles Gute." Der 38-Jährige zu seiner Entlassung: "Gerechnet hatte ich damit innerlich schon, aber man hofft natürlich, dass es doch anders kommt."

Und auf die Frage, ob er sich von seinen Spielern im Stich gelassen fühlt, antwortete der Ex-Profi: "Ich sage zur Mannschaft nichts mehr. Das Thema ist erledigt. Sicherlich würde ich heute einige Dinge anders machen, aber auch das ist Vergangenheit." Baumgart will jetzt erst einmal Abstand gewinnen, aber so bald wie möglich wieder ins Trainergeschäft einsteigen.

Dass Baumgart gehen musste, lag vor allem an der miserablen Rückrundenbilanz. Eine Erklärung dafür hat aber niemand parat. Ex-Sportdirektor Michael Richter, dessen Aufgaben ab sofort Manager Rüdiger Bartsch ("Wir stehen vor einem kompletten Neuaufbau. Ich stelle mich aber dieser Herausforderung") überahm, machte deutlich: "Im Trainingslager in Portugal war die Mannschaft noch motiviert, bissig und voller Ziele. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass es zwischen Trainer und Mannschaft einen Keil gibt. Das Dilemma begann mit dem ersten Spiel gegen Türkiyemspor (1:1) und bekam dann eine gewisse Negativ-Eigendynamik. Am Ende tritt dann häufig das Phänomen in Kraft, dass jeder Spieler nur noch an sich denkt, kommen auch längst vergessen geglaubte Disharmonien wieder hoch." Insgesamt bedauerte Richter die Entwicklung außerordentlich, befand, "dass Baumgart sehr gut zum FCM gepasst hat".

Der Ehrenrats-Vorsitzende Klaus-Dieter Runge sagte, "nach dem Debakel musste der Club reagieren", sprach von einer logischen Konsequenz, auch weil der Trainer seit Wochen einen "hilflosen Eindruck" gemacht habe. Die derzeitige Gesamtsituation des FCM bezeichnete Runge als "absoluten Tiefpunkt, fast gleichzusetzen mit der Insolvenz im Jahr 2002". Seite 1/Meinung