Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 25.03.2010 23:00:00
Melbourne (dpa). Im Kampf um Tausendstelsekunden setzt sich Rückkehrer Michael Schumacher nicht unter Zeitdruck. Nach drei Jahren Formel-1-Pause, radikalen Regelneuerungen, veränderten Renn- wagen und einem neuen Team sucht der Rekord-Weltmeister noch seinen Rhythmus fürs Titelrennen.

"Ich brauche etwas Zeit, um wieder reinzukommen", erklärte Schumacher gestern in Melbourne. "Ich habe den Anspruch, dass es möglichst schnell geht, aber ich bin realistisch." Man müsse Schritt für Schritt gehen und bei den Details systematisch vorankommen.

Für den Großen Preis von Australien an diesem Sonntag (Start: 8.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) rechnet sich Schumacher keine echte Siegchance aus: "Im Normalfall sind wir nicht in der Lage, schon hier zu gewinnen." Mercedes müsse noch einiges auf Red Bull und sein Ex-Team Ferrari aufholen.

Der Riesenabstand auf die beiden Branchenführer scheint den siebenmaligen Champion aus Kerpen zu erschrecken. "Im Rennen haben wir keine Chance gegen Red Bull und Ferrari. Die Lücke ist größer, als ich erwartet habe", sagte Schumacher.

Bei heißen Temperaturen wie zuletzt beim Wüstenrennen in Bahrain sei das Manko größer, verriet Schumacher. "Auf kalten Strecken ist es nicht so extrem." Deshalb kommt ihm die Wetterprognose für den zweiten Saisonlauf im Albert Park Circuit zupass: Es könnte regnen. "Australien ist speziell, wer weiß", hegt der vierfache Melbourne-Sieger insgeheim doch eine kleine Hoffnung auf eine Überraschung.

Für Schumacher ist es entscheidend, dass der Silberpfeil schneller und besser als die konkurrierenden Boliden weiterentwickelt wird. "Es liegt an uns", appellierte der 91-malige Grand-Prix-Gewinner ans ganze Team. "Unser Entwicklungstempo muss größer sein." Allerdings gibt es erst beim fünften Saisonlauf in Barcelona weitreichende Neuerungen am MGP W01.

Schumacher will aber schon vorher auf Schlagdistanz zur Spitze um Titelfavorit Sebastian Vettel, Auftaktsieger Fer-nando Alonso und seinen Ex-Kollegen Felipe Massa sein. "Ich bin nicht hier, um Letzter zu werden, ich will gewinnen. Dann macht es mir noch mehr Spaß und Freude", sagte er.

Riesenfreude löst bei dem Wahl-Schweizer schon jetzt die Rückkehr auf den Hockenheim-ring zum Großen Preis von Deutschland im Juli aus. "Für uns als deutsches Nationalteam wird das eine Heidengaudi: Mercedes, Stuttgart, Hockenheim", versicherte Schumacher. "Ich freue mich, wieder in die Heimat zu kommen."

In die Fahrervereinigung GPDA tritt Schumacher nicht mehr ein. "Ich denke nicht, dass das sein muss", sagte er. Nach den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger in Imola 1994 gehörte der Rheinländer zu den maßgeblichen Kräften, die für eine Erneuerung der Fahrer-Gewerkschaft eingetreten waren.

Bis zu seinem Rücktritt Ende 2006 vertrat er jahrelang als Sprecher die Interessen der Piloten, vor allem in Sicherheitsangelegenheiten. Schumacher begründete jetzt seinen Nichteintritt nach drei Jahren Rennpause so: "Die Jungs haben ohne mich einen guten Job gemacht." Zur Frage, ob es ihm ums Geld gehe, sagte der Multimillionär lachend: "Ich hätte genug Geld, um die Beiträge bezahlen zu können."