Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 15.04.2010 22:00:00
Shanghai (dpa). Ein stolzer Spitzenreiter sieht anders aus. Beide WM-Wertungen führt Ferrari vor dem vierten Formel-1-Saisonlauf am kommenden Sonntag im chinesischen Shanghai an, doch die Piloten Felipe Massa und Fernando Alonso blicken nervös in den Rückspiegel. "Nach drei Rennen zu führen ist schön, aber es bedeutet gar nichts. Wir müssen so hart wie möglich arbeiten, um unsere Situation zu verbessern", mahnte Massa am gestrigen Donnerstag. Eine Pannenserie und der bedrohliche Abwärtstrend der vergangenen Wochen lassen den Brasilianer um Platz eins in der Fahrer-Weltmeisterschaft bangen.

Die völlig verpatzte Qualifikation im Regen von Malaysia und ein Motorplatzer beim Spanier Alonso weckten bei der Scuderia die schon aus dem Vorjahr bekannten Zweifel an Zuverlässigkeit und taktischer Kompetenz. "Natürlich können wir nicht glücklich über die Probleme sein, die wir haben", murrte Neuzugang Alonso. Mit einem stolzen Doppelerfolg hatten die Roten in Bahrain das Jahr begonnen, auf die Plätze drei und vier in Australien folgten zuletzt die Ränge sieben und 13 in Malaysia – der Trend zeigt nach unten.

So durfte die Teamspitze Alonsos Worte schon als deutliche Aufforderung verstehen: "Ich habe keine Zweifel, dass Ferrari sich während der Saison noch stark verbessern wird." Die deutliche Überlegenheit von Sebastian Vettels Red-Bull-Team wurmt den Spanier, der nach seinem Wechsel zu Ferrari unbedingt seinen dritten WM-Titel einfahren will. "Ich erwarte, dass Red Bull die ganze Saison stark sein wird, nicht nur jetzt zu Beginn", meinte Alonso mit Blick auf die Konkurrenz.

Den zweimaligen Weltmeister hat Vettel mit 37 Punkten in der Gesamtwertung schon eingeholt, auf Massa fehlen ihm nur noch zwei Zähler. "Wir arbeiten in alle Richtungen, um das Auto noch schneller und zuverlässiger zu machen", versprach Massa, der auch die heranstürmenden McLaren fürchtet. Auch Cheftechniker Luca Marmorini bemühte sich angesichts der jüngsten Probleme mit dem offenkundig anfälligen Motor, die Tifosi zu beruhigen. "Ich bin zufrieden, weil ich meine, dass unser Paket schnell ist", richtete der Italiener via Team-Homepage aus.

Die angespannte Lage im engen Titelkampf lässt Massa kaum Zeit, sein phänomenales Comeback zu genießen. Ein Horror-Unfall in Ungarn im vergangenen Juli hatte ihn zu acht Monaten Rennpause gezwungen. Nun hat der Vize-Weltmeister von 2008 vorerst den Platzhirsch Alonso und den Rest des Feldes hinter sich gelassen. Doch die Freude des 28-Jährigen fällt erstaunlich nüchtern aus. "Ich bin zufrieden mit meinem Saisonstart", versicherte Massa. "Aber seinen Namen ganz oben in der Tabelle zu lesen wird erst am Ende des Jahres wichtig."

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