Viele Hausbesitzer in Neugrüneberg im Osten Magdeburgs kämpfen seit Monaten mit extremen Grundwasserständen. Pumpen arbeiten auf Hochtouren, um vollgelaufene Keller trocken zu bekommen. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Anwohner Albert Wojke sieht als Gründe u. a. defekte Grabenabflüsse und zusätzliches Oberflächenwasser, das vom Stadion komme. Er fordert Abhilfe.

Magdeburg. "So schlimm war es noch nie!" stellt der 70-jährige Albert Wojke fest. Schon fast das ganze Jahr 2010 über hätten Eigenheimbesitzer von Neugrüneberg Wasser im Keller. "Die Pumpen laufen auf Hochtouren", erzählt Wojke. Er habe sich schon eine größere hingestellt, weil es die alte nicht mehr schaffe.

Dabei war Grundwasser über viele Jahre kein großes Thema in der Siedlung. "Klar, wenn es mal viel Regen oder einen Wolkenbruch gab, drückte das Wasser auch mal. Aber das war ruckzuck wieder weg", so Wojke.

Nicht so in den letzten zwölf Monaten. Da waren die Keller kaum noch trocken zu bekommen. Auch nicht bei Albert Wojke im Pretziener Weg. Dabei hatte der Chemieanlagenbauer im Ruhestand in Sachen Grundwasser gut vorgesorgt. "Als wir 1995 hier gebaut haben, habe ich mir die Hochwassersituation über 100 Jahre zuvor angesehen, den höchsten Stand genommen und 50 Zentimeter draufgerechnet. So hoch habe ich meine Drainage gelegt. Und trotzdem lief mir die Suppe in den Keller", erzählt Albert Wojke. Der Grundwasserstand sei 2010 in der Gegend um 60 bis 70 Zentimeter angestiegen.

"Gewaltiges Rückstauproblem"

Das sei nicht allein dem allgemein höheren Wasserständen der letzten Monate geschuldet, glaubt Wojke. "Wir haben hier ein gewaltiges Rückstauproblem in unseren Gräben", sagt er. Verursacht werde dieses aus zwei Gründen, wie der Neugrüneberger glaubt. Ein Knackpunkt sei die Oberflächenentwässerung für das 2006 neu gebaute Stadion und die Parkplätze an der Fußballarena. Mit großen Pumpen wird das Wasser von dort in ein Rückhaltebecken gepumpt und soll darin versickern. "Alles geht in Richtung Neugrüneberg", meint Wojke. Und auch das Regenwasser, das über den Notüberlauf in einen Graben abgeleitet wird. Dieser Graben führt das Wasser zwar ab. Am Gübser Weg, der 2003-2005 ausgebaut wurde, sei jedoch Schluss. "Der Durchlauf unter dem Gübser Weg zur Rohrlake an der Berliner Chaussee ist defekt. Da fließt nichts mehr durch. Darum drückt das Wasser zurück", hat Wojke beobachtet. Fehlplanung oder mangelhafte Ausführung? Für Albert Wojke in jedem Fall ein Problem, das behoben werden muss.

Nächster Knackpunkt: der schlechte Zustand des zweiten Grabens, der parallel zum Kopfendenweg verläuft. "Früher hat die Feuerwehr einmal im Jahr das dicke Schilf abgebrannt. Heute wird viel zu wenig getan, um die Gräben in Schuss zu halten." Es gebe zugewachsene Engstellen und verstopfte Durchflüsse. "Der Unterhaltungsverband Ehle/Ihle macht dort sauber, wo er mit Technik rankommt. Mehr aber nicht", sagt Albert Wojke, der seit 1959 in Magdeburg lebt und von 1991 an bis zu seiner Rente im Hochbauamt gearbeitet hat. "Beide fehlerhaften Grabensysteme beeinflussen aber die Situation in Neugrüneberg", weiß Wojke. Im Moment heiße das Dauerstau.

Es müsse dringend etwas passieren, fordert er. Die Stadt plant zwar den Ausbau des Grabensystems auch im Bereich Cracau/Puppendorf. Die Ertüchtigung des Furtlakensystems und der Neubau eines Pumpwerkes 2014 stehen ebenfalls auf dem Programm. "Das dauert aber viel zu lange", so Wojke. "Vier Jahre noch! Man kann uns doch hier nicht einfach absaufen lassen", findet er deutliche Worte.

Dabei sei ein Aus- und Neubau des Grabensystems mit Millionenaufwand aus seiner Sicht gar nicht notwendig. "Wenn an den verkrauteten Gräben mal ordentlich angepackt wird und die Durchflüsse saniert werden, ist die Sache bald erledigt", so Wojke. Er sei gern bereit mitzuhelfen. Anwohner Wojke weiter: "Ich fordere die Einsetzung einer städtischen Kommission, in der Fachleute sitzen und interessierte Bürger beteiligt werden. Dann lassen sich mit Sicherheit auch schnellere Lösungen finden."

Unübersehbar ist: Mit dem steigenden Grundwasser in Ostelbien steigt auch der Frust der Bewohner. Das weiß die Stadtverwaltung und versucht, die Wogen zu glätten. Sie verweist in einer Stellungnahme an die Redaktion auf die Pläne zur Ertüchtigung des Grabensystems. Man sei also an dem Problem dran, heißt es, und gibt zu bedenken, dass im regenreichen Jahr 2010 mit teils 400-prozentigen Niederschlagsmengen und mehreren mittleren Elbehochwassern besonders viel Grundwasser aufgetreten sei.

Unterlagen liegen ab 10. Januar aus

Die Ausbaupläne für das Grabensystem seien Ende November auf einer Bürgerversammlung ausführlich vorgestellt worden. Am 10. Januar beginnt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen. Dennoch dämpft Rathaussprecherin Cornelia Poenicke allzu große Hoffnungen. Mit dem Ausbau des Grabensystems werde langfristig zwar der Abfluss verbessert und damit das schnellere Absinken der Grundwasserstände begünstigt. Gleichwohl habe eine Studie von 2003/2004 ergeben, dass "das ostelbische Stadtgebiet vor Vernässung … auch zukünftig nicht geschützt werden" könne.

Albert Wojke bleibt indes dabei: Auch mit einfachen Mitteln könne man das Grundwasserproblem lindern. "Wenn man will sofort und nicht erst in ein paar Jahren."

 

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