Für den Blauen Bock gibt es mit Jahresbeginn neue Hoffnung. Eine Investorengruppe aus Niedersachsen will noch im Januar die Gespräche mit der Stadtverwaltung über die Baugenehmigung fortsetzen. Gestalten sich auch die Verhandlungen mit dem Noch-Eigentümer Prelios erfolgreich, könnte Magdeburgs prominentester Schandfleck Ende 2011 verschwunden sein.

Altstadt. Der Blaue Bock steht wie kein anderes Gebäude in Magdeburg für eine bisher erfolglose Beseitigung eines Schandflecks. Das in Privateigentum befindliche Appartementhaus ist nach zahlreichen gescheiterten Versuchen so etwas wie eine Narbe in Magdeburgs aufstrebendem Innenstadtgesicht.

Mit Jahresbeginn mehrt sich nun die Hoffnung, dass das städtische Antlitz bald nicht mehr durch den hässlichen Fleck verschandelt wird. OB Lutz Trümper (SPD) bestätigte Informationen der Volksstimme, nach denen eine niedersächsische Investorengruppe ernsthaftes Interesse an Kauf, Abriss und Wiederaufbau des Blauen Bocks haben soll. "So nah wie jetzt waren wir in den vergangenen Jahren noch nie an einer Lösung für das Gebäude", sagte Trümper.

Er bestätigte, dass die Investoren im Januar zu weiteren Gesprächen in der Stadtverwaltung erwartet werden. Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen, unter denen ein Abriss und ein Wiederaufbau des Blauen Bocks erfolgen kann. Das Land steht nach Auskunft von OB Lutz Trümper weiterhin zu seiner Zusage aus den Vorjahren, den Abriss finanziell zu fördern. Verhandelt wird zwischen Stadt und potenziellem Käufer noch über eine eigene Zufahrt zum Gebäude, die Frage einer Durchgangsmöglichkeit in Anlehnung an den bisherigen Zustand und den Nachweis von Parkplätzen.

Die Gesamtgröße des neuen Blauen Bocks soll sich an den bisherigen Bau anlehnen und sich in die Häuserflucht der Umgebung einpassen. Die beiden unteren Etagen sollen dem Einzelhandel vorbehalten sind. Darüber entstehen Räume für Büros und andere gewerbliche Mieter.

Lutz Trümper: "Wir gehen davon aus, dass alle Fragen, die wir als Stadt mitzuentscheiden haben, bis Ende Februar klärbar sind. Das betrifft im Wesentlichen die Baugenehmigung. Ich habe insgesamt ein gutes Gefühl", so Trümper. Angaben über die Identität der niedersächsischen Investorengruppe machte Trümper mit Blick auf die Verhandlungen nicht. "Es ist Sache der Investoren, selbst ans Licht der Öffentlichkeit zu treten." Bei den Interessenten soll es sich aber um Investoren handeln, die in Magdeburg noch nicht in Erscheinung getreten sind. Namen nannte er nicht.

Bewegung in Sachen Blauer-Bock-Verkauf bestätigt auch die Prelios Deutschland GmbH, die aus der Pirelli & C. Real Estate Deutschland GmbH hervorging und Eigentümer des Blauen Bocks war. Sprecherin Helene Herich sagte gestern der Volksstimme: "Wir stehen in intensiven Verhandlungen mit einem Investor über Verkauf, Abriss und Neuaufbau des Blauen Bocks und einer anschließenden Vermarktung und Entwicklung für den Einzelhandel. Angaben zu Investoren oder einem zeitlichen Rahmen können wir aber nicht machen."

Der Blaue Bock wurde 1969 erbaut und trägt seinen Namen im Volksmund wegen der blau gekachelten Fassade. Nach mehreren Eigentümerwechseln steht der Block bis auf wenige Geschäfte im Untergeschoss seit mehr als zehn Jahren leer und machte zuletzt vor allem durch Kunstaktionen auf sich aufmerksam.