Magdeburg liegt an einem bedeutenden europäischen Strom. Die IBA 2010 hat die Tatsache stärker ins Rampenlicht gerückt. Schon vor fast 2000 Jahren erwähnte der berühmte Tacitus das Elbegebiet. Zahllose Magdeburger Generation lebten an, mit und von der Elbe.

Magdeburg. Ältere ortsbezogene schriftliche Zeugnisse gibt es zwar nicht, allerdings belegen Hinweise aus der allgemeinen Vorgeschichtsforschung und zahlreiche archäologische Befunde eine frühe Besiedlung des Magdeburger Gebietes. Diese reicht bis rd. 200 000 Jahre zurück in die Altsteinzeit. Ackerbau und Viehzucht entwickelten sich vermutlich in der jüngeren Steinzeit zwischen 4 000 bis 1 800 v. Chr., auch wurde bereits Fischfang betrieben.

Erste schriftliche Hinweise auf das Elbegebiet gab es in der frühen römischen Kaiserzeit zu Beginn unserer Zeitrechnung. Unter der Bezeichnung "albis" soll der Fluss sowohl von dem griechischen Geografen Strabon als auch etwas später von dem römischen Geografen Pomponius Mela erstmalig erwähnt worden sein. Dessen (Welt-)Beschreibung "De chorographia libri tres" wird als ältestes geografisches Werk angesehen, das auf Latein geschrieben wurde (entstanden um 43…44 ).

Karl der Große schickte seine Truppen

Durch ihre militärischen Vorstöße war den Römern die Elbe bekannt, der Name "albis" wird von Sprachforschern meist mit dem lateinischen Wort albus (weiß) in Verbindung gebracht, kann aber ebenso schon weit früher auf das indogermanische albhos für "weiß" oder auch "Fluss" zurückführen, möglicherweise in der Bedeutung "helles Wasser" oder "Weißwasser".

Der bekannte römische Historiker und Senator Publius Cornelius Tacitus (um 58 bis um 120) beschrieb in seiner "Germania" (um 98) das Gebiet nördlich von Rhein und Donau.

Nach allgemeiner Auffassung schöpfte er aus verschiedenen anderen Quellen, selbst bereist hat er das Gebiet vermutlich nicht.

So kann man bei ihm u. a. zum Thema "Schiffe" lesen (n. d. Übersetzung von Egon Gottwein, Speyer):

"… Die Form ihrer Schiffe (gemeint sind zunächst Seeschiffe) unterscheidet sich dadurch, dass beide Enden Vorderteile sind, und so eine jederzeit zum Anlegen bereite Spitze haben; auch bedienen sie sich keiner Segel und statten ihre Seiten nicht mit Ruderbänken aus. Das Ruderwerk ist wie auf einigen Flüssen unbefestigt und kann je nach Bedarf auf die eine oder andere Seite bewegt werden ..."

Tacitus nahm übrigens den vermeintlichen Ursprung der Elbe noch im Siedlungsgebiet der Hermunduren an, was eher dem Saalebereich entsprechen würde. Erst später sah man den Oberlauf in Richtung Böhmen im damaligen Markomannen-Gebiet.

Nach der Völkerwanderungszeit erstarkten die Franken insbesondere unter Karl dem Großen (Regierungszeit 768 bis 814) und unterwarfen oder integrierten schrittweise auch die Gebiete bis zur Elbe-Saale-Linie, die inzwischen von ganz anderen Völkerschaften besetzt waren als zum Anfang des Jahrtausends.

Handgeschriebene Dokumente im Museum

Seit dem 4.Jahrhundert hatten sich allmählich die zugewanderten Sachsen im norddeutschen Raum niedergelassen und das Gebiet westlich der Elbe bis zur Ems und nördlich des Harzes bis zur Nord- und Ostsee belegt, im Kern das heutige Niedersachsen.

Bei den verschiedenen Kriegszügen Karls des Großen in das Gebiet der mittleren Elbe zwischen 780 und 806 nutzte man teilweise auch die vorhandenen Wasserwege, z. B. 789 beim Feldzug über Elbe und Havel gegen die Wilzen (bis Brandenburg).

Nach der Kaiserkrönung im Jahre 800 u. Z. in Aachen, noch ganz in der Tradition des untergegangenen (west)-römischen Kaisertums, war das Frankenreich für ein knappes Jahrhundert die bestimmende Macht in Mitteleuropa und das Jahr 805 ist für Magdeburg ein magisches Jahr in der Geschichte durch die erstmalige Erwähnung im Diedenhofener Kapitular (heute Thionville im französischen Lothringen nördlich von Metz).

Welche besondere Faszination ging von einem dieser fast unscheinbaren handgeschriebenen Exemplare auf die Besucher aus, die es erstmalig 2001 in Magdeburg in der Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa" im Original bewundern konnten!

(Nächster Teil am Montag: "Magdeburg – ein alter Handelsplatz an der Elbe")

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