Der 30 Millionen Euro teure Neubau der Universitätsbibliothek wurde feierlich am 1. Oktober 2003 eröffnet und mit einem Architekturpreis ausgezeichnet. Preisverdächtig sind inzwischen auch die Nachfolgekosten: Das Land musste zur Beseitigung von Baumängeln bereits 4,7 Millionen Euro ausgeben. Im März 2009 erfolgte die Bauabnahme für die Mängelbeseitigung. Inzwischen regnet es wieder durch. Diesmal an den noch unsanierten Dachteilen.

Alte Neustadt. Leitender Bibliotheksdirektor Eckhard Blume ist es sichtlich peinlich, als er auf die als Auffangbehälter umfunktionierten Eimer und Kisten angesprochen wird. Er ist schließlich stolz auf seine erst sieben Jahre alte moderne Einrichtung. Rund 900 000 Nutzer im Jahr, 4000 Ausleihen täglich zu Spitzenzeiten und ein Bücherbestand von 1,2 Millionen Bänden können sich schließlich sehen lassen. "Das Bibliotheksgebäude ist schließlich ein Aushängeschild für die Otto-von-Guericke-Universität", erklärt er.

Doch zurzeit hat sich das Gebäude eher zum Aushängeschild für Pfusch am Bau an öffentlichen Gebäuden entwickelt. Denn schon nach der Fertigstellung des 30 Millionen Euro teuren Neubaus im Jahr 2003 tropfte es an den ersten Stellen nur ein Jahr später durch. 2005 mussten provisorische Abdichtungen vorgenommen werden.

Auch Lärm und das Klima (kalte Fallwinde sorgten für unangenehme Arbeitsbedingungen) ließen mehr als zu wünschen übrig. Dem Land Sachsen-Anhalt blieb nichts anderes übrig, als im Jahr 2006 mit rund 4,7 Millionen Euro in Vorleistung zu gehen, um alle Unzulänglichkeiten zu beseitigen. "Die drei Hauptdächer mussten komplett auf ein neues Gefälle gebracht werden", erklärt der zuständige Baudezernent Detlef Göthe. Der Grund: Die damals mit dem Bau der Dächer beauftragte Firma hatte dies beim Neubau nicht berücksichtigt.

Ob das Land jemals von dem verauslagten Geld etwas wieder gesehen hat, dazu konnte die Universität keine Auskunft geben. Es ist aber zweifelhaft, da es die Firma nach Volksstimme-Informationen längst nicht mehr gibt.

Die sogenannte "Nachtrags-Haushaltsunterlage Bau" mit dem Kostenumfang von 4,7 Millionen Euro war schon damals nach Meinung der Bauexperten der Uni sehr knapp berechnet. Denn es war bekannt, dass auch die Seitendächer kein ausreichendes Gefälle haben. Doch dies blieb aus Kostengründen bei der nachträglichen Sanierung unbeachtet.

Erst am 3. März 2009 erfolgte die Endabnahme für die Bauarbeiten an den Hauptdächern. Um später neue Schäden zu vermeiden, wurde sogar ein Leckortungssystem eingebaut, um eindringendes Wasser sofort lokalisieren zu können.

Baudezernent Detlef Göthe: "Das neue System funktioniert auch und die drei kürzlich sanierten Hauptdächer sind ja auch dicht. Probleme bereiten die damals nicht mit angefassten Seitendächer."

Diese haben vor allem während des Jahreswechsels Schmelzwasser eindringen lassen. Die Folge: Es tropfte an mehreren Stellen im Bereich der Sprinkleranlage und der Deckenlampen durch. "Ein komplettes Regal mussten wir freiräumen. Mehr als hundert Bücher waren durch die eindringende Feuchtigkeit betroffen", erklärt der Leitende Bibliotheksdirektor. Seine Mitarbeiter mussten in stundenlanger Handarbeit Löschblätter in die Seiten legen, um zu retten, was zu retten ist.

In einem Fall wurde ein Einzelarbeitsplatz gesperrt, weil die Trockenbauwand durch das Wasser bereits durchgefeuchtet ist. An weiteren Stellen haben die Handwerker die Deckenleuchten abmontiert, da dort das Wasser aus der Betonzwischendecke tropfte. Baudezernent Detlef Göthe vermutet, dass sich in den Zwischendecken bereits Wasser angesammelt hat, das dort steht und sich langsam seinen Weg in die unteren Geschosse sucht. Die Gefahr von Folgeschäden ist dadurch enorm hoch und der Baudezernent sieht angesichts dieser Tatsache auch akuten Handlungsbedarf. So stehen bereits die Motorenantriebe für die automatische Sonnenschutzanlage teilweise komplett im Wasser. "Die sind zwar für den Außenbetrieb geeignet, aber nicht für einen kompletten Unterwassereinsatz", meint Göthe.

Für die Nutzer der Bibliothek, so betont der Leitende Direktor Eckhard Blume, gebe es abgesehen von dem gesperrten Bücherregal zurzeit noch keine Einschränkungen. Im Gegenteil. Ab 22. Januar soll die Uni-Bibliothek sogar sechs Wochen lang täglich auch sonntags von 9 bis 21 Uhr geöffnet sein.

Ob und wann das Land Mittel für die Beseitigung der Schäden freigeben wird, ist noch völlig unklar. "Wir hoffen nur, dass es bald geschieht, da sonst die Schäden immer größer werden und die Kosten für die Sanierung weiter enorm steigen", so Detlef Göthe.

Um welche Größenordnung es sich bei den dringend benötigten Geldern für die Sanierung handelt, dazu wollte sich der Baudezernent gestern noch nicht äußern. Nach Volksstimme-Informationen sollen es aber mehr als 2 Millionen Euro sein.

   

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