Tauwetter und Regen lassen in Magdeburg die kleinen Flussläufe und Vorfluter anschwellen. Die Furtlake steht unter städtischer Kontrolle. Das Landesamt für Hochwasserschutz rechnet mit der Alarmstufe 1 an der Elbe am 12. Januar. Ungesicherte Prognose: 4.05 Meter am Pegel Strombrücke.

Altstadt. Starkregen und Tauwetter seit Donnerstagabend haben die Lage an den kleinen Flussläufen und den Vorfluter-Gräben der Stadt weiter angespannt. Im Gebiet um die Furtlake schauen Bewohner sorgenvoll in die unmittelbare Zukunft.

Einziger Hoffnungsschimmer: "Es besteht die feste Absicht, bei Erfordernis wieder mit dem Abpumpen von Wassermassen aus dem kleinen Flusslauf in die Umflut zu beginnen", sicherte Holger Platz, zuständiger Beigeordneter, bereits am Mittwoch auf Volksstimme-Nachfrage zu.

Holger Platz: Bei Bedarf wird abgepumpt

Das Umweltamt als Untere Wasserbehörde hatte am Freitag dann auch Beobachter vor Ort. Der stellvertretende Umweltamtsleiter Detlef Schulze kontrollierte gemeinsam mit einem Mitarbeiter die Messstellen.

Am sogenannten Rohrstau lautete gestern Nachmittag seine Einschätzung: "Noch brauchen die Pumpen nicht wieder installiert zu werden. Wir werden jedoch, wie schon über die Weihnachtsfeiertage, auch an diesem Wochenende die Lage im Blick behalten."

Fakt ist, in Ostelbien beginnen sämtliche kleinen Flussläufe anzuschwellen. Auch die Gräben, die sogenannten Vorfluter. Das zusätzliche Problem: Das Tauwasser sickert nicht in die gefrorenen Böden. Der Regen wandert gleichfalls direkt in die Vorfluter.

Udo Wille, dessen Haus nahe dem Klusdamm am Graben E steht, ist beunruhigt. Das Grundwasser beginne, in seinen Keller einzudringen. Wenn die Wasserstände weiter steigen, befürchtet er Schlimmeres. Wille mokiert sich:. Der von der Stadt beauftragte Unterhaltungsverband Ehle/Ihle habe zwar Grabenabschnitte geräumt.

Weg zum Graben ist versperrt

Doch stellenweise sei der Vorfluter von Zäunen umgeben, die Maschinen kämen nicht heran.

Der Anwohner fordert Klärung, ehe es zu spät wird. Auch sollten endlich zielstrebig generelle Lösungen geschaffen werden, kritisiert er.

Laut Holger Platz habe die Stadt durchaus etwas getan. Pechau sei entwässert worden. Das Ostelbien-Programm auch an der Furtlake wird fortgesetzt, erklärte er. Allerdings stellt er auch klar: Allein die vorgesehenen Maßnahmen für die Furtlake würden 4,5 Millionen Euro verschlingen. Laut Platz gibt es dafür keinen Cent an Fördergeld. Alles müsse vom angespannten Haushalt getragen werden und könne deshalb nur schrittweise in Jahresscheiben verwirklicht werden, sagte er.

Gestern 2,93 Meter am Pegel Strombrücke

Jetzt, so Holger Platz, laufe das Planfeststellungsverfahren für das Furtlake-Programm, das auch den Bau neuer Gräben und eventuell ein Schöpfwerk vorsieht.

Ab Montag liegen Unterlagen im Umweltamt aus. Die öffentliche Auslegung dauert bis 10. Februar.

Akut drohe von Klinke, Schrote, Sülze etc. noch keine Gefahr, sagte Frank Goreczka vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz. Der Betrieb ist auch für diese Bäche (Gewässer 1. Ordnung) zuständig. Auch an der Elbe sei die Lage noch entspannt, sagte er gestern. Allerdings könne sich das schnell ändern.

Laut Goreczka könne in den nächsten Tagen die Alarmstufe 1 erreicht werden. Bis zum 12. Januar werden am Bemessungspegel Barby die entsprechenden Werte (4,50 Meter) erreicht. Am Pegel Strombrücke Magdeburg würden dann 4.05 Meter erwartet. Allerdings sind das noch ungesicherte Prognosewerte, schränkte er ein. Gestern Mittag wurden am Pegel Strombrücke 2,93 gemessen.

Der Anstieg der Elbe könnte auch das Grundwasser in Magdeburg beeinflussen.

Experten sind sich zwar noch uneins, aber: Seit dem Jahrhunderthochwasser mehren sich Anzeichen, dass der "Unterwasserhaushalt" aus den Fugen geraten ist. An allen möglichen Stellen steigt plötzlich das Grundwasser in die Häuser.

Jetzt sind sogar kleine Keller von Gartenlauben an der Brenneckestraße betroffen. Das habe es an der Stelle in den letzten 20 Jahren nicht gegeben, hieß es aus dem Vereinsvorstand.

Vermutet wird dort allerdings auch, dass das mit der unterbrochenen Wasserabführung in die Klinke zusammenhängt, die damals mit dem Bau der Abfahrt Kirschweg von der östlichen Fahrbahn des Rings unterbrochen wurde. In Ottersleben gibt es ähnliche Vermutungen. Es gibt Forderungen nach Drainagen.

Niederschläge 2010 zeigen noch Wirkung

Frank Goreczka will auf Anhieb nicht bestätigen, dass die Bautätigkeit zu derartigen Folgen im Grundwasser führe. Er schließt es nicht aus, aber "das müsste untersucht werden", sagte er. Aufträge dazu hat der Landesbetrieb nicht.

Holger Platz will auch diese Frage in die Überlegungen des Dezernates zumindest einbeziehen. Die Ursachen für die angespannte Grundwassersituation sehen er und Goreczka eher in der unglaublichen Regenmenge des vergangenen Jahres. Das Vierfache des Normalen fiel aus den Wolken.

Das zeige offenbar noch immer Wirkung, sagte Holger Platz.

   

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