Magdeburg (pl). Als Helmut Zalewski am vergangenen Mittwoch über das Schicksal der Magdeburger Fahrradboxen in der Volksstimme las, wunderte er sich sehr. Zalewski war seinerzeit mit der Umsetzung eines Arbeitsförderungsprojekts zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur an den flutgeschädigten Gebieten betraut. Das Wirtschaftsministerium hatte die Förderung aufgelegt. Im Rahmen dieses Projektes wurden touristische Ausstattungselemente wie die Fahrradboxen von ABM-Gesellschaften entwickelt und installiert.

Haupteinsatzgebiet war das Elbumfeld. Ziel des Projektes war es, die Radtouristen durch eine gute Infrastruktur anzuziehen und zum Verweilen in Magdeburg einzuladen. Die Fahrradboxen wurden im Auftrag der Trägergesellschaft des Landes (TLG) von der Jugendwerkstatt "Frohe Zukunft" in Halle entwickelt und produziert. Es handele sich dabei um ein System von beliebig zusammenzustellenden Einzelboxen aus verzinktem Stahl. Die Boxen waren zur kostenlosen Nutzung bestimmt, stellt Zalewski klar. Wichtig: Sie sind vom Nutzer mit dem eigenen Fahrradschloss zu sichern und die Nutzung geschieht auf eigene Gefahr. Ein spezielles Schließsystem sei folglich nicht notwendig.

Die Boxen können äußerlich mit Ranken begrünt werden und eignen sich zum Einbau in geschlossenen Räumen genauso wie zur Installation im Freien. "Hier können sie durch seitliche Kaschierung durch Mauerwerk roh oder verblendet den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden", widerspricht Zalewski der Darstellung, die Fahrradboxen würden das Erscheinungsbild, etwa des Doms oder des Klosters, stark beeinträchtigen. "Außerdem können sie mit wenig Aufwand farblich, vielleicht sogar mit genehmigten Graffiti, gestaltet werden."

Entsprechend der Fördermodalität sollten die Boxen an von Radtouristen frequentierten und gut sichtbaren kommunalen Standorten aufgestellt werden. "So sollten sie als Radboxen gekennzeichnet sein, und auf sie sollte durch eine Beschilderung hingewiesen werden", sagt Zalewski.

In Magdeburg sei seinerzeit die GISE mit der Umsetzung des Projektteiles beauftragt gewesen. "Ihr gelang es in den Verhandlungen mit der Stadt leider nicht, optimale Standorte bewilligt zu bekommen", kritisiert Helmut Zalewski. "Daraufhin habe ich mich selbst mit diesem Anliegen an den damaligen Wirtschaftsbeigeordneten Klaus Puchta und den Planungsamtsleiter Eckhart Peters gewandt. Beide zeigten sich aufgeschlossen und sagten eine nochmalige Prüfung zu", erinnert sich Zalewski.

Am Ende wurden vorgeschlagene Standorte von den zuständigen Fachabteilungen aber abgelehnt. Als Begründung seien die Gefahr der missbräuchlichen Verwendung (Einsperren von Personen oder Tieren), Vandalismus und Instandhaltungs- und Haftungsprobleme genannt worden. "Dann habe ich mich selbst an gemeinnützige oder kommunale Einrichtungen, wie Vertreter des Doms, des Klosters, des Elbauenparks und der Otto-von-Guericke-Gesellschaft gewandt. Bei allen bestand Interesse." Für Dom und Kloster, die ideale Standorte für die Fahrradboxen seien, habe die Stadt eine Genehmigung verweigert. Am Ende blieben Elbauenpark und Lukasklause als Standorte übrig.

Dass dann die Boxen nur wenig genutzt wurden, sei verständlich, denn "wer weiß schon, dass es so etwas in Magdeburg gibt und wo sie stehen, zumal bei den wenig optimalen Standorten", ärgert sich Zalewski.

Zur Übernahme der Fahrradboxen durch private Betreiber, wie etwa Gaststätten, sagt Zalewski, dass dies "förderschädlich" sei, also den Richtlinien des einstigen Förderprojektes widerspreche. Und: "Sollte die Stadt nicht in der Lage sein, die Boxen zweckentsprechend zu nutzen, sind sie an den Rechtsnachfolger der TGL, das ist die Förderservice GmbH, zurückzuführen."