Sie liebt ihren Stadtteil und engagiert sich im Kannenstieg: Wiebke Girth-Hoffmann (32) ist neue ehrenamtliche Sprecherin der AG Gemeinwesen Kannenstieg, einem Forum für Bewohner, Vereine und Einrichtungen des Stadtteils. Ihr Anliegen zum Antritt: "Der Kannenstieg soll fröhlicher und freundlicher werden."

Kannenstieg. Aufgeregt sei sie, sagt Wiebke Girth-Hoffmann. Es sei schließlich ihr erstes Interview mit einem Zeitungsreporter. Doch kaum ist die erste Frage gestellt, beginnt sie zu erzählen über die Wünsche und Motive, die sie mit ihrem ehrenamtlichen Engagement verbindet. Sie spricht flink und mit fester Stimme, die Begeisterung ausstrahlt.

Wiebke Girth-Hoffmann scheint eine lebenslustige Frau zu sein, Mutter von vier Kindern, 32 Jahre, aufgewachsen im Norden Magdeburgs und bis heute überzeugte "Kannenstieglerin". "Ich wohne gerne hier und würde nie wegziehen! Der Stadtteil ist grün, die Verkehrsanbindung optimal, das Nahversorgungsangebot super, Kino und Einkaufspark Am Pfahlberg liegen vor der Haustür", zählt sie auf, ohne lange zu überlegen.

Und was gibt es zu bemängeln? "Ordnung und Sauberkeit haben in den vergangenen Jahren allerdings deutlich nachgelassen. Ein Spielplatz im Herzen des Stadtteils für die Kinder wäre eine tolle Sache, da der jetzige am Neuen Sülzeweg zu abgelegen ist." Auch die Zusammenarbeit der Vereine und Einrichtungen, so hat Wiebke Girth-Hoffmann beobachtet, habe nachgelassen. Die Gemeinwesenarbeit und das Miteinander im Kannenstieg zu verbessern, sieht sie als ihre Aufgabe und die ihrer Mitstreiter in der AG Gemeinwesen an. "Im Sprecherrat werde ich unterstützt von Karl-Heinz Huth und Frau Dr. Kaden, die die Finanzen übernimmt", sagt sie. Stadtrat Frank Theile von den Linken wirkt als "Wiederaufbauhelfer" zunächst ebenfalls im Sprecherrat mit.

Der Arbeitsgruppe im Kannenstieg drohte im vergangenen Jahr bereits die Auflösung, weil zu wenig Bürger mitmachten und Ideen einbrachten. Durch eine Werbeaktion, gestemmt vom Bürgerverein Nord, Stadtteilmanagerin Jessica Zedler und dem Begegnungszentrum Kannenstieg der Euro-Schulen, wurde das Stadtteilgremium in den öffentlichen Blickpunkt gerückt. "Viele Bewohner kennen die AG Gemeinwesen aber nach wie vor nicht", sagt die neue Sprecherin. Ihr selbst ging es noch vor einigen Monaten ähnlich. "Deshalb müssen wir die Öffentlichkeitsarbeit unbedingt verbessern", sagt Wiebke Girth-Hoffmann.

Froh über das Engagement der jungen Mutti ist auch Stadtteilmanagerin Jessica Zedler: "Ich freue mich sehr, dass ein neuer Sprecherrat gewählt wurde und die Gemeinwesenarbeit im Kannenstieg auf neue Füße gestellt wurde", sagt sie. "Frau Girth-Hoffmann ist als Stadtteilbewohnerin Expertin vor Ort und kann sicher ihr soziales Netzwerk nutzen, um noch mehr Stadtteilbewohner für die Gemeinwesenarbeit zu interessieren."

Nicht nur nebenbei wurde so auch der Stadtteilfonds gerettet. Jährlich stellt die Stadt auch 1560 Euro für die Gemeinwesenarbeit im Kannenstieg bereit.

Wiebke Girth-Hoffmann will es anpacken. "Es gibt viele im Kannenstieg, die unzufrieden und griesgrämig sind. Mag sein, dass hier viele arbeitslos sind. Doch wenn man rausgeht und etwas unternimmt, verspürt man Freude und das gute Gefühl, gebraucht zu werden." Sie selbst ist das beste Beispiel. Im Begegnungszentrum der Euro-Schulen hat sie derzeit einen Ein-Euro-Job. Die Arbeit auf Zeit mache ihr Spaß und habe sie auch motiviert, ehrenamtlich aktiv zu werden. Sie wünscht sich, "dass wir mit unseren Stadtteilaktionen und Veranstaltungen Freude und ein Zusammengehörigkeitsgefühl auslösen."

Das nächste öffentliche Treffen der AG Gemeinwesen Kannenstieg ist am 19. Januar um 17.30 Uhr im Begegnungszentrum, Johannes-R.-Becher-Straße 56.