Die Techniker Krankenkasse fördert mit 5000 Euro aus dem Programm "Gesunde Schule" die Gründung einer Schüler-Cafeteria am Werner-von-Siemens-Gymnasium. Die Jugendlichen lernen dabei die Grundlagen gesunder Ernährung ebenso kennen wie die der modernen Marktwirtschaft.

Alte Neustadt. Fruchtspieße aus exotischen Obstsorten, gewendet in mit Honig glasierten Haselnussstücken – klingt aufwendig, ist es aber gar nicht. Noch dazu schmeckt es lecker und ist zu allem Überfluss eine echte Vitaminbombe. Die fruchtigen Häppchen gab es am Dienstag als erste Kostprobe bei der Übergabe des 5000-Euro-Schecks der Techniker Krankenkasse an das Werner-von-Siemens-Gymnasium.

Dass die alltägliche ausgewogene und vor allem gesunde Ernährung bei Jugendlichen keinen hohen Stellenwert besitzt, ist kein Geheimnis. Das weiß auch Ursula Krüger von der Techniker Krankenkasse. Als Präventionsberaterin entscheidet sie, welches Projekt in das bundesweite Förderprogramm "Gesunde Schule" ihres Arbeitgebers aufgenommen wird.

"Wir erwarten ein ausgefeiltes und schlüssiges Konzept, um uns davon zu überzeugen, dass die 5000 Euro tatsächlich für eine gesündere Ernährung an der Schule eingesetzt werden", erklärt sie bei der Übergabe der Förderprämie. Schulleiter Gerhard Muth und Lehrer Jörg Riemann, der sich die Idee der Schüler-Cafeteria ausgedacht hat, sind davon überzeugt und ließen sich daher die ersten kulinarischen Gehversuche ihrer Schützlinge schmecken.

Riegel aus Automaten

"Viele Schüler bringen heutzutage gar kein Frühstück mehr zur Schule mit und holen sich dann einen Schokoriegel am Automaten", sagt der Schulleiter. Um das in Zukunft zu ändern, will die Schüler-AG schmackhafte und günstige Alternativen anbieten.

Daniel Busse, Antonius Naumann und Christian Nucht halfen nach Unterrichtsende ein wenig bei den Vorbereitungen und reihten die Obststücke auf die Holzspieße. "Ich könnte mir vorstellen, wenn das Café eröffnet hat, dort auch mitzumachen", sagt Daniel und sein Freund Antonius ergänzt, dass "es doch schön ist, sich so gegenseitig zu helfen".

Jörg Riemann, der solch ein von Schülern für Schüler betriebenes Café noch aus seiner eigenen Schulzeit kennt, betreut die Jugendlichen bei ihrer Schüler-AG. Unterstützung bekommt er dabei von Susanne Zachariasvon der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Gemeinsam wollen sie eine sogenannte Schülerfirma gründen. "Dabei werden den Jugendlichen marktwirtschaftliche Grundlagen vermittelt, die wertvoll für ihr späteres Berufsleben sein werden", erklärt Susanne Zacharias das Konzept. Die AG agiere wie ein reales Unternehmen.

Dazu gehört neben der Zubereitung und dem Verkauf auch der Einkauf der Lebensmittel und die Kalkulation der Preise. Diese bewegen sich nah am Einkaufspreis, aber ein wenig Gewinn soll schon für die engagierten Café-Betreiber abfallen. Besonders hoch anzurechnen ist, das die AGler dies alles neben dem regulären Unterricht schaffen wollen.

Ziel ist es auch, dass die Schüler ihren eigenen Firmennachwuchs akquirieren, damit das Café, wenn sie in ein paar Jahren mit der Schule fertig sind, nicht mangels Mitarbeitern geschlossen werden muss.

Start nach den Ferien

Zur Café-AG gehören derzeit acht Schüler, größtenteils aus der achten Klasse und Jungs. "Wir haben auch ein paar Mädchen, aber bei nur 134 Mädchen unter 557 Schülern ist der Anteil naturgemäß kleiner", erläutert der Projektleiter.

"Geplant ist, dass wir nach den Winterferien loslegen können", zeigt sich Jörg Riemann optimistisch. Dann wird sich in jeder Frühstückspause der Speisesaal zum Café verwandeln. "Wir hoffen, dass, wenn das Gebäude neben unserem Schulhof in diesem Jahr saniert wird, wir eventuell dort permanent einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen", sagt Gerhard Muth.

Evelyn Brämer vom Kooperationspartner LIBa, selbst Mutter eines Siemensschülers, unterstützte die Jugendlichen bei ihrer gelungenen Generalprobe. "Nach den ersten Schulungen, bei denen das nötige Grundwissen über gesunde Ernährung vermittelt wird, sollen die Schüler sich dann ihre eigenen Rezepte ausdenken", beschreibt sie den Ansatz. "Wir wollen nur das Projekt anschieben, dann übernehmen die Jugendlichen das Ruder", ergänzt Ursula Krüger.