Das Begegnungszentrum "Soziale Stadt" im Kannenstieg ist ins vierte Jahr gestartet. Die Euro-Schulen Magdeburg als Träger wollen nach eigener Aussage erfolgreiche Initiativen wie den Mutter-Vater-Kind-Treff und Umsonstladen weiter ausbauen. Langzeitarbeitslose finden im Projekt Arbeitsgelegenheiten.

Kannenstieg (rri). Corina Gregor freut sich auf viele neue Veranstaltungen mit Kindern und Eltern im Begegnungszentrum an der Johannes-R.-Becher-Straße 56. "Der Mutter-Vater-Kind-Treff steht montags bis freitags allen Interessierten von 14 bis 17.30 Uhr mit täglich wechselnden Veranstaltungen offen", sagt die Magdeburgerin, die in dem Stadtteiltreffpunkt eine Arbeitsgelegenheit gefunden hat und für die Reihe zuständig ist. "Absoluter Höhepunkt war bisher ein Theaternachmittag vor Weihnachten, da hatten wir volles Haus, und vom Kleinkind bis zur Omi waren alle begeistert", erzählt Corina Gregor.

Erweiterungspläne für die Tauschbörse

Feste Anlaufstelle im Haus ist der sogenannte Umsonstladen. "Die Besucher können hier gut erhaltene gebrauchte Sachen, die sie nicht mehr benötigen, abgeben und im Gegenzug kostenfrei Sachen mitnehmen", erklärt Sybille Hirche, die Leiterin des Sozialprojekts im Kannenstieg, das Prinzip der Tauschbörse. "Unser Dank gilt den vielen Spendern, die 2010 Sachen beigesteuert haben", sagt sie. Und es gibt aufgrund der Nachfrage Erweiterungspläne. "Der Umsonstladen wird sich in den nächsten Wochen vergrößern und einen zusätzlichen Raum in Beschlag nehmen." Geöffnet ist der Laden wochentags von 9 bis 17.30 Uhr.

Gerade konnte Sozialarbeiterin Sybille Hirche auch neue Teilnehmer im Projekt "Soziale Stadt" begrüßen. Die Euro-Schulen Magdeburg als Träger haben das vierte Projektjahr im von Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen besonders betroffenen Magdeburger Norden gestartet. Gefördert wird es von Bund, Land und Stadt sowie durch die Arge Magdeburg, die für 28 Langzeitarbeitslose Ein-Euro-Jobs finanziert. Das Sozialprojekt soll es den Teilnehmern ermöglichen, in ihrem Wohnumfeld eine Tätigkeit für das Gemeinwohl aufzunehmen und zugleich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Ziel ist die Vermittlung in Arbeit. Dazu sollen etwa PC-Kurse, Deutschkurse für Teilnehmer mit Migrationshintergrund, Bewerbungstrainings und andere Qualifizierungsmaßnahmen beitragen. Parallel ist es nach Angaben der Euro-Schulen Anliegen des Projektes, "auf das Gemeinwesen im Stadtteil einzuwirken".

"Raus aus der Isolation"

"Meine Mutti arbeitet jetzt hier!" Dieser Satz eines Mädchens, dessen Mutti im Sozialprojekt einen Ein-Euro-Job bekam, bringe das Anliegen des Projekts für sie auf den Punkt, so Sozialarbeiterin Sybille Hirche, die die Teilnehmer begleitet. "In unserer Zeit definieren sich die Menschen nun einmal über Arbeit."

Teilnehmerin Wiebke Girth-Hoffmann, Mutter von vier Kindern aus dem Kannenstieg, bestätigt dies: "Es ist ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun. Zugleich bekommt man hier mit vielen Menschen Kontakt und kommt aus der Isolation heraus."

Die im Projekt beschäftigten Männer und Frauen pflegen zum Beispiel auch sogenannte Sozialgärten in einer Kleingartensparte, deren Früchte sozialen Einrichtungen im Norden zugutekommen. Andere betreuen das Internetcafé. Oder wie Corina Gregor den Mutter-Vater-Kind-Treff. Dazu sind auch heute Nachmittag ab 14 Uhr wieder alle Kinder und Eltern ins Begegnungszentrum an der Johannes-R.-Becher-Straße eingeladen.