Wenn ein Mensch plötzlich durch Unfall, Suizid oder auf natürliche Weise zu Tode kommt, stehen die Betroffenen oft vor einem tiefen emotionalen Loch. Um den Angehörigen in den ersten Stunden nach dem Unglück beizustehen, gibt es die Notfallseelsorge. Seit 1999 waren die ehrenamtlichen Helfer bei über 1000 Einsätzen in Magdeburg im Einsatz.

Altstadt. "Schlimm ist subjektiv", weiß Ines Bunk, stellvertretende Teamleiterin der Notfallseelsorger in der Landeshauptstadt, "denn jeder Mensch trauert anders. Die Menschen sind handlungsunfähig und kopflos. Wir lösen die Blockade und regen sie so wieder zum Handeln an."

Daher erfordert es ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, um auf die Betroffenen einzugehen. Ob der Straßenbahnfahrer, dem jemand vor die Bahn gelaufen ist, junge Menschen, die den Unfalltod eines Freundes mitansehen mussten, oder einfach nur die Frau, deren Ehemann plötzlich nicht mehr aus dem Sessel aufsteht – ohne die Hilfe der Notfallseelsorger ist es schwer für sie, ins normale Leben zurückzufinden.

Sie werden gerufen, wenn Angehörigen eines Unfalls- oder Suizidopfers die Nachricht vom Tod überbracht werden muss oder auch wenn der Tod unmittelbar und überraschend in den eigenen vier Wänden eingetreten ist.

Gemeinsam mit Pfarrer Stephan Bernstein, der seit über einem Jahr das Magdeburger Team leitet, koordiniert Ines Bunk die Arbeit der 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter. Alle sechs Wochen gibt es eine Teambesprechung, regelmäßig finden sogenannte Supervisionen statt. Dabei werden die Einsätze im Nachgang ausführlich besprochen und durchgespielt, um so auch die Helfer selbst bei künftigen Einsätzen zu unterstützen.

Die Notfallseelsorger sind in der Regel nur für zivile Personen zuständig und ihr Einsatz dauert normalerweise nicht länger als zwei Stunden. "Es geht bei dieser Akutbetreuung darum, den Angehörigen oder Opfern über den ersten Schock hinwegzuhelfen. Merken wir, dass dort längerfristige Hilfe notwendig ist, vermitteln wir die entsprechenden Kontakte", erklärt Ines Bunk.

Die Rettungsleitstelle fordert die Notfallseelsorger per Funk an. Wenn der Pieper Alarm schlägt, geht es immer zu zweit zum Einsatz, länger als zwanzig Minuten brauchen sie selten, um vor Ort zu sein. Dabei wissen sie oft nicht, was sie dort erwartet. "Das macht die Arbeit aber auch spannend", gibt Ines Bunk zu. Der Dienst geht von Sonntag bis Sonntag, rund um die Uhr müssen sie abrufbereit sein. "Das setzt großes Verständnis seitens des Arbeitgebers voraus", weiß sie.

"Einmal haben wir es organisiert, dass eine Frau den verstorbenen Angehörigen noch einmal im Krankenhaus sehen konnte, denn gerade dieser persönliche Abschied ist immens wichtig, um mit dem Trauerprozeß beginnen zu können", erzählt sie weiter.

Den 1000. Einsatz erlebten die Helfer kurz vor Weihnachten, als eine Frau im Neustädter Feld Suizid beging und Nachbarn die Leiche fanden.

Zerstört einen die ständige Konfrontation mit solch Schicksalen nicht selber? "Bis jetzt hat noch keiner aufgehört, weil er oder sie selbst psychisch so mitgenommen war. Eine gewisse emotionale Stärke sollte man aber schon mitbringen", erklärt Ines Bunk.

Ab Mai beginnen die diesjährigen kostenlosen Kurse, um sich zum Notfallseelsorger ausbilden zu lassen. Auf der Webseite www.notfallseelsorge-magdeburg.de finden Interessenten die Kontaktdaten.

 

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