Werder (mrö). Am vergangenem Sonntag wurde an die Zerstörung Magdeburgs vor 66 Jahren gedacht. Im Rahmen des Gedenkens veranstaltete das Erzählcafé "Glückliche Insel" am vergangenem Montag im Kinder- und Jugendhaus Werder eine dokumentarische Lesung.

Hintergrund: Vor ein paar Jahren stieß Autorin Nadja Gröschner im Archiv des Schulmuseums auf ein persönliches Zeitdokument. Es handelte sich dabei um das Tagebuch der Lehrerin Marianne Gutsche. Marianne Gutsche berichtet von Frühjahr bis Herbst 1945 von den Kriegsereignissen in Magdeburg. Sie selbst erlebt die letzten Kriegstage auf dem Werder in der Oststraße 1.

Nadja Gröschner, die Initiatorin des Erzählcafés und Chronist Frank Kornfeld führten die Besucher durch diese schwere Zeit Magdeburgs. An zahlreichen Fotos wurde veranschaulicht, wie Magdeburg, besonders der Werder, vor 1945 aussah und durch den Krieg zerstört wurde. Die chronologischen Ereignisse wurden durch persönliche Berichte aus dem Tagebuch Marianne Gutsches ergänzt.

Nüchtern berichtet sie über die Kriegstage: Magdeburg war geteilt. Die Altstadt wurde von den Amerikanern besetzt, der Osten der Stadt von der Roten Armee.

Immer wieder beschreibt Marianne Gutsche ihre Abneigung gegen das kommunistische System und hofft auf den Abzug der Sowjets aus Magdeburg. Gutsches Familie und Freunde sind in der Altstadt, die einzige Möglichkeit, mit ihnen Kontakt zu halten, besteht darin, sich an den Ufern der Elbe zu treffen und über den Fluss zu rufen. Viele Magdeburger tun es ihr gleich. Dies wird jedoch von Soldaten nach kurzer Zeit unterbunden.

In dem bedeutenden Zeitdokument sind laut Gröschner Informationen festgehalten, die nicht mehr bewusst sind. Dass es beispielsweise ab August 1945 im Ostteil der Stadt eine russische Zeit gab – die Uhren wurden eine Stunde vorgestellt.

Aus dem weiteren Leben Gutsches ist wenig bekannt. Man weiß, dass sie später nach Wiesbaden zog und 1977 starb.

Im nächsten Monat steht der Werder wieder im Mittelpunkt des Erzählcafés "Glückliche Insel". Nadja Gröschner und Frank Kornfeld wollten aber noch keine weiteren Details verraten.