Das Drängwasser steigt mit jedem Tag der Flut in den tiefer gelegenen Gebieten an. So musste gestern weiter das Wasser aus dem Polder am Ehlegrund in den Umflutkanal gepumpt werden. Der halbe nördliche Herrenkrugpark steht außerdem unter Wasser, obwohl das Gebiet hinterm Deich liegt. Das Abwasseraufkommen hat sich von sonst täglichen 40 000 auf rund 120 000 Kubikmeter verdreifacht. Der Grund ist eingeleitetes Drängwasser in die Kanalisation.

Magdeburg. Während durch das leichte Fallen des Pegels zumindest die Gefahr einer Überflutung seit gestern weitgehend gebannt ist, drängt sich seit gestern zunehmend ein weiteres Problem auf: Das Drängwasser überflutet immer mehr die tiefer gelegenen Gebiete in der Stadt. Betroffen sind vor allem die Bereiche Ostelbien, Teile von Salbke und der Herrenkrugpark. In Randau drohte gestern ein Regenrückhaltebecken überzulaufen. Die Feuerwehr und die Städtischen Werke mussten das Wasser an dieser Stelle abpumpen und in die Kanalisation einleiten. Da dies an vielen Stellen in der Stadt passiert, hat sich nach Angaben von SWM-Sprecherin Cornelia Kolberg das Abwasseraufkommen verdreifacht. Normalerweise hat Magdeburg einen Verbrauch von 40 000 Kubikmeter Wasser. Zurzeit laufen bis zu 120 000 Kubikmeter Abwasser über den Düker unter der Elbe nach Gerwisch in das Klärwerk. "Die Lage ist aber weiter beherrschbar", sagte die SWM-Sprecherin.

Im Bereich entlang des Überschwemmungsgebietes habe es gestern auch Kontrollen der geschlossenen Regenwasserausläufe nach ihrer Dichtheit gegeben. Die Sperren sollen verhindern, dass das Hochwasser eventuell anfallendes Oberflächenwasser zurück in die Kanalisation drängt. Einen Eingriff seitens der Fachleute habe es aber nicht gegeben.

Leiter des Einsatzstabes Holger Platz: "Das Problem des Drängwassers wird uns nicht nur in den nächsten Tagen, sondern noch in den nächsten Wochen beschäftigen. Da muss man realistisch sein." Er konnte aber zumindest was die Flut betrifft von einer Entspannung der Lage berichten. "Der Pegel sinkt in den nächsten Tagen schneller als bisher angenommen, so dass wir schon am Wochenende mit einem Unterschreiten der höchsten Warnstufe 4 rechnen. In diesem Fall bleibt das Betreten der Deiche aber auch weiter verboten", erklärte Holger Platz. Der Stadtordnungsdienst hat gestern acht und die Polizei zehn Platzverweise ausgesprochen. Ein Verwarngeld wurde in einem Fall in Höhe von 35 Euro ausgesprochen. Gegen einen Betreiber einer Hundepension aus dem Umland werde sogar ein Bußgeldverfahren eingeleitet, kündigte der Ordnungsbeigeordnete an. Der Beschuldigte hatte sechs Hunde auf dem Deich ausgeführt und beleidigte die Deichwachen, als er auf sein Vergehen angesprochen wurde und sich uneinsichtig zeigte. Holger Platz appellierte in diesem Zusammenhang auch noch einmal, die Hunde auch außerhalb des Stadtgebietes nicht frei herumlaufen zu lassen, selbst wenn der Leinenzwang dort nicht gilt. "Die Rückzugsräume des Wildes sind stark eingeschränkt", bittet er um Verständnis.

Weitere Sandsackwälle mussten gestern nicht verbaut wer den. Die restlichen bereits gefüllten Säcke verbleiben zumindest bis zum Frühjahr im Lager der Feuerwehr.

Das Messschiff "Elbegrund" des Wasser- und Schifffahrtsamtes hat gestern Wasserspiegelhöhen und Durchlaufgeschwindigkeiten gemessen. "Wir wollen die gewonnenen Werte mit denen aus dem Jahr 2006 vergleichen", erklärte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Friedrich Koop. Denn trotz der ähnlichen Pegelstände 2006 und 2011 kann es bei diesen Werten erhebliche Unterschiede geben.

Bei einer gemeinsamen Besichtigung der Deiche im Herrenkrug haben sich gestern Nachmittag der Landesminister für Landwirtschaft und Umwelt Hermann Onko Aeikens und Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper ein Bild von der Lage gemacht. Sie lobten dabei die Arbeit der Einsatzkräfte.

 

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