Die Zeit der Duldung hat vermutlich bald ein Ende: Dauerparkern vor den Märkten am Pfahlberg droht der Abschleppwagen. Betroffen sein werden hauptsächlich Berufspendler, die Fahrgemeinschaften auf der A 2 bilden und ihre Autos daher tagsüber auf dem Großparkplatz abstellen. Angeblich, weil er auch als P+R-Platz von der Stadt ausgewiesen sei.

Magdeburg. Für viele Berufspendler sind Fahrgemeinschaften der einzige Weg, die Kosten für den Arbeitsweg einigermaßen in Grenzen zu halten. Als beliebter Treffpunkt hat sich schon vor Jahren der Großparkplatz am Pfahlberg herausgeschält. Dass die Autos dort tagsüber abgestellt wurden, daran hat sich lange Zeit niemand gestört. Doch nun ist das anders.

Seit einigen Wochen sind die Dauerparker im vorderen Bereich des Parkplatzes im Visier des Vermieters, der CMC Center Management GmbH aus Schönefeld. Sie ließ Zettel an die Autoscheiben heften mit dem Hinweis, dass die Fahrzeuge widerrechtlich abgestellt seien, so berichtet unser Leser Andre Stacke. Dauerhaftes Abstellen sei nicht gestattet, hieß es darauf. Und: Eine Missachtung der Parkordnung könne zum kostenpflichtigen Abschleppen führen.

"Dass der Parkplatz zum dortigen Gewerbegebiet gehört, ist wohl allen klar. Nur wo sollen die Pendler dann bitte in A2-Nähe parken", fragt sich Stacke. Er kann nicht verstehen, warum es ein so großes Problem sei, "wenn wenige Pendler ihre Autos dort abstellen? Nach all den Jahren konnte ich noch nie beobachten, das Kunden vom Kino, Möbelhaus oder vom US Play-Center keinen Parkplatz fanden und umkehren mussten. Wen stören denn die tagsüber ca. 40 Pkw in den ersten Parkreihen", fragt er weiter. "Der Parkplatz ist doch groß genug für alle ..."

"Es gab Beschwerden von Kunden"

Das ist er nicht. Sagt zumindest Gordon Jakobitz, Leiter des Höffner-Möbelhauses. Er bestätigte auf Volksstimme-Anfrage, dass der Vermieter auf Wunsch der Gewerbetreibenden die Zettel verteilen lässt. "Wir haben auf unserem Parkplatz inzwischen wirklich ein Platzproblem, das es vor ein paar Jahren so noch nicht gab", berichtet er.

Über rund 900 Stellplätze verfügt der Großparkplatz. "Die Anzahl ist auf die Einzelhandelsflächen zugeschnitten, und letztlich bezahlt dafür auch jeder Mieter", so Gordon Jakobitz.

Zunächst kam 2007 die Erweiterung des Höffner-Möbelhauses, im Vorjahr eröffnete dann noch ein neuer Möbelmarkt. Das, sagt Jakobitz, führe dazu, dass der Parkplatz inzwischen deutlich stärker ausgelastet und in Spitzenzeiten meist ab donnerstags auch schneller ausgebucht sei. "Es gab Kundenbeschwerden, weil die Parkplätze nicht ausreichten. Feuerwehreinfahrten wurden zugeparkt", berichtet der Hausleiter. Man bemühe sich um einen fairen Umgang mit den Dauerparkern, könne das aber auf Dauer nicht mehr dulden. Jakobitz berichtet, dass manchmal bis zu 150 Stellplätze von Langzeitparkern belegt worden seien. "Unsere Kunden stehen für uns im Mittelpunkt. Sie erwarten von uns, dass wir ihnen ausreichend Parkplätze zur Verfügung stellen. Das können wir aber nicht, wenn uns in solcher Größenordnung Stellflächen verloren gehen", so Jakobitz. Deshalb bitte man um Verständnis für die Maßnahme.

Seit die Zettel verteilt worden seien, habe die Zahl der Dauerparker auch schon etwas abgenommen. "Seit Monaten weisen wir mit großem Schild auf die Parkordnung hin, haben vor Wochen schon mit der Zettelaktion begonnen und denken, dass dies auch eine faire Vorgehensweise ist. Aber bei ganz Unbelehrbaren werden wir um das Abschleppen irgendwann nicht mehr herumkommen", sagt Hausleiter Jakobitz.

Er zeigt Verständnis für das Problem der Pendler: "Aber das können wir nicht lösen. Das wäre höchstens Aufgabe der Stadt, eine Fläche zur Verfügung zu stellen", meint er. Und sei es fürs Erste ein Schotterplatz. Für Verwirrung hat dabei der Umstand gesorgt, dass der Parkplatz Pfahlberg offenbar wirklich eine Zeit lang als Parkplatz für P+R (Parken und Reisen) geführt wurde. Das sei aber schon seit mehreren Jahren nicht mehr der Fall, berichtet Gordon Jakobitz. Deshalb fehlt auch die entsprechende Beschilderung.

Vier P+R-Parkplätze, aber ohne Pfahlberg

"Ist der Parkplatz am Pfahlberg wirklich nur noch ein privater Kundenparkplatz, bitte ich um Hinweise der Stadt, wo die Pendler dann in Zukunft ihre Fahrzeuge ohne zu stören in Autobahnnähe abstellen können", schreibt Leser Andre Stacke weiter zu dem Thema.

Eine Frage, die sich eindeutig an die Stadt richtet.

Im Augenblick hält die Landeshauptstadt vier zumeist kostenfreie P+R-Parkplätze vor, die aber (im Gegensatz zum Pfahlberg) alle an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sind. Sie befinden sich in der Lerchenwuhne an der Endstelle der Straßenbahnlinie I (am Milchhof), an der Straßenbahnendstelle in Diesdorf, in der Erich-Weinert-Straße in Buckau und an der Messe Magdeburg in der Jerichower Straße. Der Bereich Pfahlberg ist nicht dabei.

 

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