Die drei bei dem Brand am Freitag schwer verletzten Frauen im Alter von 86, 90 und 96 Jahren sind noch immer nicht außer Lebensgefahr. Sie haben eine schwere Rauchvergiftung erlitten. Der vierte Verletzte, ein 68-jähriger Mann, konnte das Krankenhaus wieder verlassen. Die betroffene Etage des Olvenstedter Pflegeheims mit 24 Betten bleibt bis zur Sanierung geschlossen. Die Bewohner wurden zum Teil auf andere Heime verteilt.

Neu-Olvenstedt. Ein Gutachter des Landeskriminalamtes und ein Sachverständiger des Revieres Magdeburg haben gestern ihre Arbeit im Brandzimmer des Olvenstedter Pflegeheims aufgenommen. "Die Experten haben Spuren gesichert und verschiedene Gegenstände zur weiteren Untersuchung mit ins Labor genommen", erklärte gestern Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch. Nach den ersten Untersuchungen könnte eine offene Flamme, etwa durch eine Kerze, oder Zigarettenglut als Ursache ausgeschlossen werden. Immer wahrscheinlicher wird damit ein technischer Defekt.

Betroffene Etage bleibt gesperrt

Fest steht, dass das Feuer im Bereich des Bettes der Bewohnerin ausgebrochen ist, die sich gerade im Frühstücksraum im Erdgeschoss des Heimes befand.

Die 85-jährige Mitbewohnerin, die bettlägerig sich während des Brandausbruches noch im Zimmer befand, konnte von der Wohnbereichsleiterin auf den Händen aus dem Zimmer gerettet werden. Da die Mitarbeiterin in dieser Situation die Tür nicht hinter sich schließen konnte, erhielt das Feuer durch ein angeklapptes Fenster Sauerstoff. Es kam zum sogenannten Vollbrand. Da der Etagenabschnitt stark verqualmt war, konnten die restlichen in anderen Zimmern wohnenden Personen nur noch durch die Feuerwehr gerettet werden. Insgesamt wurden 32 Menschen in Sicherheit gebracht. Am schlimmsten von einer Rauchvergiftung betroffen waren drei Frauen im Alter von 86, 90 und 96 Jahren, die noch immer in Lebensgefahr schweben. Alle anderen, so auch der 68-jährige Bewohner aus einem der anderen Zimmer, konnten das Krankenhaus wieder verlassen. Die vier Mitarbeiter, unter ihnen auch die Wohnbereichsleiterin, die bei dem Brand Erste Hilfe geleistet haben, befinden sich seit gestern im Krankenstand. Dies sei vor allem aus psychologischen Gründen erfolgt, teilte die Pflegeheimleitung gestern weiter mit.

Die betroffene Etage des Olvenstedter Pflegeheims ist auch weiter komplett gesperrt und wird es vermutlich auch noch eine ganze Weile bleiben. 18 Bewohner mussten deshalb noch am Freitag auf andere Heime verteilt werden. Das Gros der Betroffenen wurde im Pflegeheim Lerchenwuhne und Haus Mechthild untergebracht. Zwei Bewohner kamen im Haus "Peter Zincke" in der Hesekielstraße und einer im Heideweg unter. Sechs Bewohner konnten innerhalb des Hauses umziehen.

Neben den Brandursachenermittlern waren gestern auch die Sachverständigen der Versicherungen im Haus. Acht Experten haben für die Regulierungen alles überprüft.

Norbert Lendrich, Geschäftsführer des Städtischen Eigenbetriebes Wohnen und Pflegen erklärte, dass sich die Versicherungen sehr kooperativ gezeigt hätten. Der eigentliche Brandschaden dürfte aber weit höher liegen, als die von der Feuerwehr geschätzten 120 000 Euro. Ein Chemiker müsse jetzt untersuchen, welche Bereiche wie vom Rauch kontaminiert sind und welcher Aufwand betrieben werden muss, die Areale zu sanieren. Schon jetzt stehe fest, dass die betroffene Hälfte der Etage komplett mit allen Möbeln und Teppichen erneuert werden muss. Im Brandzimmer selbst muss voraussichtlich sogar der Estrich ausgetauscht werden. In Absprache mit der Versicherung werden zum Beispiel auch alle persönlichen Dinge der Bewohner auf Kosten der Versicherung restauriert und dekontaminiert. Norbert Lendrich kündigte an, dass es heute eine Mitarbeiterversammlung geben wird und auch die Angehörigen über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werden.

Heimleiterin Brigitte Zimmermann lobte die Hilfsbereitschaft der Heimmitarbeiter, die teilweise aus der Freizeit und dem Urlaub zur Unterstützung kamen, um in einem Marathon an Telefonaten alle 144 Angehörigen der Pflegeheimbewohner zu informieren. "Zeitweise ist unsere Telefonanlage auch zusammengebrochen, weil viele Angehörige gleichzeitig versucht haben, uns zu erreichen", sagte sie. Rundum habe aber alles sehr gut funktioniert. Besonders der Feuerwehr und der Notfallseelsorge sprach sie angesichts der professionellen Hilfe ihren Dank aus. "Die Unterstützung kam von allen Seiten sehr unkompliziert", sagte sie weiter.

Die für heute geplante Feier zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung in der Johannes-Göderitz-Straße wird ausfallen, teilte die Heimleiterin mit. Sie werde auf einen anderen Zeitpunkt verschoben.

Feuerwehrchef: Taktik gut entwickelt

Magdeburgs Feuerwehrchef Helge Langenhan schätzte den Feuerwehreinsatz als positiv ein. "Es hat alles sehr gut funktioniert, von der ersten konkreten Information durch das Personal bis zum Ausrufen des Großalarms", erklärte der Amtsleiter. Es handelte sich um den ersten Einsatz der Spezialeinsatzgruppe (SEG) in einem Brandfall. "Wir werden in den nächsten Tagen den Einsatz noch einmal detailliert auswerten und eventuelle Schlussfolgerungen mit dem Heim besprechen", erklärte der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz.

   

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