Die abgeschnittenen Baumwipfel am Rondell im Nordpark fielen der Denkmalpflege zum "Opfer". Um die Schönheit der über 180 Jahre alten Anlage wieder herzustellen, seien die Eingriffe nötig gewesen. Bald würden die jetzt kahlen Bäume aber wieder austreiben – stellt die Stadtverwaltung klar.

Alte Neustadt. In der vergangenen Woche berichtete die Volksstimme über eine auf den ersten Blick misslungene Baumschnittaktion im Nordpark. Eine Leserin hatte darauf hingewiesen, dass die Eiben rund um das Rondell am Denkmal des Magdeburger Bürgermeisters August Wilhelm Francke einen "Kopf kürzer" gemacht worden waren.

Zunächst hieß es vonseiten der Stadt, dass der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg (SFM) dort nicht mit der Säge im Einsatz gewesen wäre. Nun konnte das Rathaus nach weiteren Recherchen den "Schuldigen" ausfindig machen.

Wie Stadtpressesprecher Michael Reif gestern mitteilte, finden am Rondell tatsächlich größere Baumpflegearbeiten statt. Allerdings wären denkmalpflegerische Gesichtspunkte für die Schnittaktion ausschlaggebend gewesen. "Um die Eibenhecke am Francke-Denkmal wieder denkmalgerecht in Form zu bringen, soll eine einheitliche Wuchshöhe und eine bestimmte Heckendichte geschaffen werden", erläutert er das Ziel der Arbeiten.

Zudem sei das "Lichtraumprofil" für die schräg zum Platz führenden Seitenwege beeinträchtigt gewesen. Das heißt, die Parkbesucher hätten durch den dichten Bewuchs die Wege gar nicht mehr als solche erkannt. Ein entsprechender Trampelpfad über den Rasen würde dies belegen, beschreibt Michael Reif das Problem.

Daher sah sich die Untere Denkmalschutzbehörde zum Handeln gezwungen und orderte die Gärtner des SFM zum Bäumeschneiden heran. Die Arbeiten sind mit dem derzeitigen Radikalschnitt aber nicht beendet.

Die Seitentriebe müssen noch in ein ordentliches Längenverhältnis zum Stamm zurechtgestutzt werden. Da das nasskalte Wetter aber ein Befahren der Wege, ohne größere Schäden zu hinterlassen, momentan unmöglich macht, dauert dies noch etwas. "Die Stadtverwaltung bittet die Parkbesucher noch um Geduld", sagt der Pressesprecher.

Mit den Schnittarbeiten tragen die Untere Denkmalschutzbehörde und der SFM dazu bei, dass das Gartendenkmal wieder in alter Schönheit sichtbar werde. Sorgen um die Eiben müsse man nicht haben, denn diese "werden wieder neu austreiben, weil sie auch im hohen Alter sehr schnittverträglich sind", beruhigt Michael Reif die Sorgen von Naturfreunden.

Das 1857 entstandene Francke-Denkmal befindet sich nach einer Umsetzung seit 1907 an seinem Platz im Eibenrondell. Francke hatte während seiner Amtszeit den Nordpark als ersten städtischen Friedhof vom renommierten Gartenplaner Peter Josef Lenné anlegen lassen. Genau in der Mitte des damaligen Friedhofs, dem Wegeachsenkreuz, ließ sich Francke noch zu Lebzeiten per Ratsbeschluss einen Platz für sich und seine Familie reservieren. Dort befindet sich auch heute, umrahmt von einem Blumenmeer und einer demnächst wieder dicht gewachsenen Eibenhecke, seine letzte Ruhestätte.

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