Magdeburg will 2020 Kulturhauptstadt Europas werden. Der Stadtrat hat mit nur zwei Gegenstimmen und 3 Enthaltungen beschlossen, dass die Verwaltung im Jahr 2013 die Bewerbung bei der EU einreicht.

Altstadt. Wird die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt 2020 im Blickfeld der 500 Millionen Europäer stehen? Die Potenzen dafür habe sie bzw. könnten noch mit Landes- und regionaler Hilfe entwickelt werden, meinen Enthusiasten.

Räte und Verwaltung haben sich der Auffassung am Donnerstagabend angeschlossen. Nach dem Beschluss pro Kulturhauptstadt 2020 wollen Verwaltung und Räte gemeinsam mit geballter Kraft das Vorhaben angehen.

"Wir haben das Zeug dafür", sagte Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch mit Blick u. a. auf die Magdeburger Kulturcharta, das Puppentheaterfestival, die Ottonenausstellungen, auf den Deutschen Architektentag sowie auf die Traditionen und die Zeugnisse darüber.

Die Kultur sei für Magdeburg ein Markenzeichen geworden, sagte er am Ende einer präzis auf den Punkt geführten Debatte. Sie geht auf einen Antrag der Linken zurück, eine solche Bewerbung zu prüfen.

Karin Meinecke, Mitglied der Fraktion und Vorsitzende des Kulturausschusses, erklärte, dass ihr Ausschuss zustimme, aber im Änderungsantrag bereits konkret eine Bewerbung für 2020 empfehle.

Klaus Kutschmann, CDU/BfM, sprach sich gleichfalls für die Bewerbung aus, forderte aber vehement Unterstützung des Landes. Auch das Umland sollte ins Boot geholt werden, sagte er.

Alfred Westphal sprach von einer "riesigen Verantwortung, wenn wir uns 2020 Europa einladen." Nicht nur die Kulturcharta müsse von Anfang an zielstrebig angegangen werden. Auch Stadtrat Hörold, FDP, verlangte Professionalität. Ein belastbares Konzept solle vorgelegt werden.

Sören Herbst, Bündnis90/Grüne: Das Motto der Bewerbung müsse geschärft werden. Das gebe es ja noch nicht, erklärte er. Kultur müsse sich aber in der Stadt ständig widerspiegel. Den Abriss des Kunstwerkes Gewächshaus wertet er als kein gutes Zeichen – ganz gleich, wie man dazu stehe.

Finanzausschussvorsitzender Reinhard Stern (CDU) bezeichnete das Vorhaben "eine tolle Sache." Er vermisse aber noch klare Ansagen, wie das Land dazu stehe. Auch im Zusammenhang mit dem Haushaltsdefizit.

Für Oberbürgermeister Lutz Trümper stellt sich diese Frage nicht aktuell: Die Bewerbung könnte der Durchbruch für Magdeburg und sein internationales Ansehen werden. Er sieht zunächst in erster Linie die Aufgabe, das Land davon zu überzeugen. Noch wisse er auch nicht, was das kostet. SPD-Stadtrat Burkhard Lischka, MdB, plädierte dafür, die Region zu gewinnen, die Kräfte zu bündeln. Man sollte es angehen, wenngleich es für Magdeburg nicht so einfach sei wie für Mitbewerber Weimar, sagte er mit Blick auf Goethe und Schiller.

Im Jahr 2010 war das Ruhrgebiet Europäische Kulturhauptstadt. Weitere Kulturhauptstädte waren das ungarische Pécs und Istanbul.

2011 ist die finnische Stadt Tuku eine Kulturhauptstadt Europas.