Der harte Winter im Januar/Februar und Dezember vergangenen Jahres hat eine Eiszeit in der Knöllchenkasse der Stadt ausgelöst: Die Zahl der wegen Parkverstößen verteilten Verwarngelder lag so niedrig, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Einnahmen betrugen 1,14 Millionen Euro. Ebenfalls so wenig wie nie. Der Grund: Wo Schnee das Parken unmöglich machte, konnte es auch keine Verstöße geben.

Magdeburg. Der harte Winter hat nicht nur die Heizkosten in den Amtsstuben nach oben getrieben, sondern auch die Einnahmen durch Verwarngelder drastisch sinken lassen. "Sie haben ein Rekordtief erreicht", erklärte Stadtordnungsdienstchef Gerd vom Baur der Volksstimme. Das sei sogar die niedrigste Zahl der verteilten Knöllchen in den letzten zehn Jahren.

Der Grund ist aber nicht etwa die Tatsache, dass Magdeburgs Falschparker plötzlich zur Vernunft gefunden haben, sondern, dass der Schnee im Januar/Februar und im Dezember das Parken auch auf den zahlreichen kostenpflichtigen Parkplätzen der Stadt unmöglich gemacht hat. Damit konnte auch niemand wegen des Nichtbezahlens eines Parkscheins oder einer Zeitüberschreitung zur Verantwortung gezogen werden.

Ausgewirkt habe sich aus Sicht des Stadtordnungsdienstchefs auch das neue Parkraumwirtschaftskonzept.

"Recht kann man sich nicht erkaufen"

Der "Knöllchenkönig" des Jahres 2010, ein Autofahrer vom Haselbachplatz, hat dies ganz offensichtlich nicht verstanden. Er parkte mit einem Bewohnerparkausweis in den Bereichen, die eben nicht als Bewohnerparkplatz ausgewiesen waren. Zunächst sammelte der Autofahrer wegen des Parkens ohne Parkschein in Fünf -Euro-Schritten die Knöllchen. Doch, die Politessen kamen irgendwann dahinter, dass es sich hier um einen sehr renitenten Kandidaten handelt.

Seit dem 28. September haben die Stadtordner deshalb die Ordnungsgeldhöhe auf 35 Euro hochgesetzt. Dennoch sammelte der Mann am Ende 33 Verfahren auf seinem Konto.

Die Gelder hat er übrigens fast alle pünktlich überwiesen. "Nun ist aber irgendwann Schluss. Man kann sich sein Recht nicht erkaufen", meint Gerd vom Baur. Als Warnschuss werde ab sofort aus dem Verwarngeld ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro plus einem Punkt in Flensburg.

Dass das Ordnungsamt bei Wiederholungstätern nicht zimperlich ist, bemerkte auch eine Autofahrerin aus der Haeckelstraße, die dort wohl arbeitet (allerdings nicht in der dortigen Polizeiwache oder im dortigen Bürgerbüro) und regelmäßig Knöllchen-Roulette spielte. Sie löste nie einen Parkschein und zahlte, falls erwischt, lieber die fünf Euro Verwarngeld. Zu dumm nur, dass die Sache nach 28 Knöllchen auffiel. Das 29. kostete dann 35 Euro. Ab da stieg die Autofahrerin ganz offensichtlich aus. Sie wurde nicht wieder auffällig.

Derzeit werden neben den beiden Autofahrern übrigens noch neun weitere mit deutlich erhöhten Verwarngeldern bei Parkverstößen belegt.

Plüschhase gegen Knöllchenärger

Die 14 Verkehrsüberwacherinnen hören übrigens bei ihren Einsätzen schon eine Menge Ausreden, die sie dutzendfach schon gehört haben.

Diese aber noch nicht: Es war im Sommer vergangenen Jahres, als eine Autofahrerin ihren Pkw in der Pappelallee mit Parkschein abstellte und sich samt Hund in den Nordpark begab. Den Autoschlüssel legte die Frau samt Plüschball-Talisman auf die Decke. Auf den Hund hatte dies offenbar eine magische Anziehungskraft. Er spielte damit und so geriet die Sache außer Kontrolle. Die anschließende Suchaktion mit herangeorderten Freunden dauerte länger als der Parkschein gültig war. Die Politessen hatten deshalb an der Scheibe bereits ein Knöllchen hinterlassen.

Glück für den Hund: Das Ordnungsamt stellte das Verfahren ein und Frauchen konnte auf eine Kürzung der Leckerlis verzichten. Die Frau bedankte sich und schrieb dem Amt: Jetzt verziert den Autoschlüssel ein von Freunden geschenkter rosa Plüschhase. Den findet man zumindest leichter.