Typisch Erika Schaper: "So, tschüss dann, macht‘s gut!", rief die 65-Jährige gestern den Kindern und Lehrern der Grundschule Alt-Olvenstedt zu. Keine großen Worte. Ein unprätentiöser Abschied nach immerhin 45 Jahren Schuldienst. Davon arbeitete sie 44 Jahre in Alt-Olvenstedt und 20 als Schulleiterin! Und ganz so einfach war das dann gestern doch alles nicht. In einer emotionalen, tränenreichen Veranstaltung sagten die Olvenstedter schon noch "Danke und auf Wiedersehen!"

Alt-Olvenstedt. Nein, nein und nochmals nein, einen gro- ßen Rummel wollte Erika Schaper nicht um ihren Abschied in den Ruhestand veranstalten. "Dazu ist sie zu bescheiden, aber mit ihr hatten wir eine tolle Schulleiterin, die können wir nicht einfach so nach Hause gehen lassen", sagte Lehrerin Claudia Hasenkrug.

Erika Schaper räumte später ein, dass sie sich vor dem gro- ßen Abgang auch aus einem anderen Grund drücken wollte: "Wenn ich hier so stehe, muss ich schon ganz schön schlucken, dem wollte ich eigentlich aus dem Weg gehen."

Lehrerinnen und der Kindershowmusiker Roger Altenburg, der an der Schule den Chor betreut, hatten heimlich, still und leise doch eine kleine Feier in der Sporthalle organisiert. Die 136 Schüler "betteten" ihre Direktorin auf 136 roten Rosen, die sie überreichten, während alle sangen: "Wir gratulieren nun galant, Frau Schaper heut‘ zum Ruhestand. Gesundheit, Glück und viel Plaisir, das wünschen alle für die Zukunft dir ..."

Mit Roger Altenburg präsentierte der Schulchor zudem eine eigens selbst eingesungene Version des Songs "Licht am Horizont", geschrieben von Schlagerstar Géraldine Olivier. Die CD dazu gab es als besondere Erinnerung für Erika Schaper als Abschiedsgeschenk. "Wir mussten Frau Schaper etwas austricksen, damit sie vorher nichts merkt. Im Speisesaal haben wir unter dem Vorwand einer Probe die Aufnahmen gemacht", erzählte der Musiker. "Die Überraschung ist euch toll gelungen", sagte die Schulleiterin an ihrem letzten Arbeitstag, der für alle dann doch nervenaufreibender wurde, als gedacht.

Mit zittriger Stimme hielt Erika Schaper spontan noch eine kleine Abschiedsrede: "Es war eine schöne Zeit mit euch, ich habe es gern gemacht, und ich hoffe, dass ihr mit meiner Nachfolgerin auch so viel Spaß habt wie bei mir. Ich werde die Schule nicht vergessen und ab und an vorbeikommen um zu schauen, was aus euch geworden ist."

Noch lange nach der Veranstaltung war Erika Schaper umringt von Kindern, die teils ihren Tränen freien Lauf ließen. "Dass eine Lehrerin so beliebt ist, ist schon etwas Besonderes", sagte Roger Altenburg. "Jetzt brauche ich erst mal ein Taschentuch", so Erika Schaper, nachdem sie fast alle 136 Kinder noch einmal gedrückt und geherzt hatte.

Vor 45 Jahren hatte Erika Schaper ihre Arbeit als Lehrerin angefangen. "Im ersten Jahr war ich in Irxleben, anschließend durchgehend in Alt-Olven- stedt." Vor 20 Jahren übernahm sie die Leitung der Grundschule. "Ich gehe nun aber auch gerne in den Ruhestand, weil ich die Schule auch in guten Händen weiß. Ich bin besonders froh, dass ich den Schulneubau bis hin zur Einweihung im vergangenen Jahr begleiten durfte, das war so etwas wie ein Abschluss", so Erika Schaper. "Und jetzt freue ich mich auf mehr Zeit mit meinem Mann, der bereits Rentner ist, und natürlich mit meinen Enkelkindern", sagte die Alt-Olvenstederin.

Heute tritt ihre Nachfolgerin in der Schule an: Bärbel Reiter leitete in den vergangenen sechs Jahren eine Grundschule in Calbe/Saale.