Mit stehenden Ovationen wurde er empfangen: Gerhard Muth ging ein letztes Mal als Schulleiter durch das Werner-von-Siemens-Gymnasium zur Sporthalle, die gestern als Festsaal diente. Die dort Versammelten erhoben sich von den Plätzen und applaudierten. Eine Ära geht nach 22 Jahren zu Ende, der Direktor geht in den Ruhestand.

Magdeburg. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres für einen Lehrer, wenn die Schüler sich bei seinem Abschied nicht freuen und sogar die Ehemaligen zur Schule kommen, um ihrem "alten Direx" noch einmal die Ehre zu erweisen. So versammelte sich gestern in der (Sporthallen-)Aula nicht nur die gesamte Schule, sondern auch zahlreiche ehemalige Schüler und Prominenz der Stadt und der Wissenschaft. Darunter Prof. Klaus Erich Pollmann, Rektor der Guericke-Universität, Vertreter des Kultursministeriums, des Landesverwaltungsamtes, vom Fraunhofer-Institut, von Siemens Berlin sowie der Niederlassung Magdeburg. Gekommen waren auch die Leiter anderer Begabten-Förderschulen aus Halle, Cottbus, Riesa, Jena, Leipzig sowie die als "Gründungsväter" geehrten Professoren Karl Manteuffel, Herbert Henning und Meinrad Armbruster.

"Am meisten wird mir der Unterricht fehlen, die Arbeit mit den Kindern", sagt Gerhard Muth im Volksstimme-Gespräch "Und das Kollegium", betont er dann und lobt das tolle Team, mit dem es großen Spaß gemacht habe zu arbeiten. "Da wird morgens schon gelacht und Spaß gemacht, und so soll es ja auch sein: Arbeit soll auch Spaß machen", sagt Gerhard Muth.

Ihm hat sie Freude bereitet seit er 1965 den Schuldienst angetreten hat. So war er an der Erweiterten Oberschule in Staßfurt, später in Atzendorf Schulleiter, bis er schließlich 1988 die Betreuung von besonderen Klassen für naturwisssenschaftliche Förderung übernahm. Zwei waren es damals mit insgesamt 37 Schülern, als Zweig der Otto-von-Guericke-Schule (EOS). Ein Jahr später folgte der Umzug in ein Schulgebäude in der Pablo-Neruda-Straße. Eine Übergangslösung sollte es sein für das neue Gymnasium zur Förderung auf mathematisch-naturwissenschaftlich-technischem Gebiet. Dieser Übergang dauerte bis 2009. Dann folgte – nach langem Ringen – der Umzug in das sanierte Gebäude in der Stendaler Straße.

1993 erhielt die Schule ihren Namen, den sie sich mit Werner von Siemens selbst wählte. Siemens steht für die Förderung von talentiertem Nachwuchs ebenso wie technischen Fortschritt. Mittlerweile arbeiten 52 Lehrer/-innen am Gymnasium, drei Referendare und drei Erzieherinnen im Wohnheim, in dem die Schüler/-innen aus dem Umland untergebracht sind. 540 der Klassenstufe 5-12 werden unterrichtet, die Nachfrage ist wesentlich größer. Im Sinne der Gleichberechtigung wurden im Jahr 1995 Aufnahmeprüfungen eingeführt.

Zahlreiche Erfolge können die Schüler vorweisen, ob bei "Jugend forscht" oder bei Olympiaden in Mathematik, Physik oder Chemie. Sie sind erfolgreich beim Robo-Cup (u. a. Vizeweltmeister) und vielem mehr.

Gerhard Muth stand als Synonym für das Siemens-Gymnasium. Es ist sein Lebenswerk. Zu gehen fällt dem gerade 65 Gewordenen nicht leicht. Doch er freut sich auch auf Zukünftiges: auf die gemeinsame Zeit mit Ehefrau Regina, auf Bücher, die er seit langem lesen wollte. Und er denkt daran, im Verein ja.m (Jugend aktiv Mitteldeutschland) mitzuwirken, der besonders begabte Jugendliche fördert.

Ein neuer Direktor für die Siemensianer ist noch nicht bekannt. Ab sofort übernimmt Frank Skoblien, stellvertretender Schulleiter, die Amtsgeschäfte. Dass er dies in guter Tradition tut, stellte er bereits gestern unter Beweis.

   

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