Altstadt. Was macht den Menschen so unvollkommen, dass Reiche auf Kosten von Armen leben? Dass er Kriege führt? Dass er sich selbst zerstört?

Auf der Suche nach Antworten begibt sich die neue Produktion des Theaterjugendclubs "Quint@Essenz", die jetzt Premiere feierte.

Das Konzept von Caspar Weimann und Theaterpädagogin Alexandra Will verschafft anspruchsvolle Kost auf der Bühne. Beide führen auch Regie im Stück, das Spielerisches mit dokumentarischen Fakten anreichert.

Kampf ums Trinkwasser

Die menschenerschaffenden Figuren Quint und Essenz, gespielt von Phuong Anh Dao Thu und Samin Delikhoun, wollen herausbekommen, "ob rein egoistisches und anderen Menschen schadendes Handeln in der Natur des Menschen liegt" oder von äußeren Umständen abhängt.

Der Kampf ums Trinkwasser, allgegenwärtig in vielen Ländern der Dritten Welt, ist Ansatz der Experimente von Quint und Essenz. Zunächst beschreibt die Szenerie das Oben und Unten. Oben auf einem Berg von Getränkekisten sitzen die Figuren Eg(oist) und Ge(setz).

Eg (Vivien Vieth) quast mit Wasser, während unten verdurstende Menschen nach Tropfen gieren.

Liebe, Freundschaft und Vertrauen gehen kaputt. Die Gruppe junger Leute speist Fakten ins Spiel ein, mal einzeln, mal im Chor, so etwa das: "Jene 7 Milliarden US-Dollar, die nötig wären, um 2,6 Milliarden Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen, sind weniger als Europäer für Parfüms ausgeben und US-Staatsbürger für Schönheitschirurgie."

Quint und Essenz lassen nun eine Ebene, gleiche Bedingungen für alle entstehen. Die Probanden stehen alle gleichhoch auf einer Getränkekiste, jeder hat Wasser.

Doch es kommt zum Streit. Ge (Alexander Schmitz) muss rabiat einschreiten. Am Ende ist Krieg.

Kampf um Ressourcen, Kampf ums Überleben. Die jungen Darsteller spielen diese Szenen mit vollem Körpereinsatz, sie fallen über Kisten, winden sich am Boden, bedrängen einander. Leidenschaft fürs Theaterspielen ist deutlich erkennbar.

Ein heftiger Anstoß zum Nachdenken

Quint und Essenz bekommen sich in die Haare. Was muss sich am Menschen ändern – die Seele, die Umstände? "Es gibt keine Quintessenz des Menschen, die uns bestimmt", meint der Chor. Trotz der schwierigen Materie lässt das Stück keine Depri-Stimmung aufkommen. Es liefert Anstoß zum Nachdenken. Nächste Aufführung:

25. Februar 2011, Opernhaus.