Falschparker in der Innenstadt sollten in diesen Tagen ihr "Knöllchen" genau prüfen. Seit Mitte Januar treibt in der City der Magdeburger "Knöllchen-Fälscher" erneut sein Unwesen. Im Gegensatz zu den amtlichen Verwarngeldern muss die Fälschung nicht bezahlt werden. Passiert ist das aber trotzdem.

Altstadt. Erstmals drehte der in Zivil agierende "Knöllchen-Fälscher" im September 2010 seine Runden durch die Innenstadt. Wahllos und in verschiedenen Bereichen steckte er Falschparkern Verwarngeldschreiben unter den Scheibenwischer. Dafür nutzte er die Unkenntnis vieler Magdeburger aus, die zumindest auf den ersten Blick ein echtes Knöllchen nicht von einer Fälschung unterscheiden können.

Bekannt sind neuerdings elf Fälle, bei denen immer dasselbe Verfahren angewendet wurde. Der Unbekannte benutzt als Vorlage ein Original-Verwarngeldschreiben und fertigt davon Kopien an. Diese manipuliert er so, dass er sie als täuschend echt aussehendes Knöllchen verwenden kann.

Weiße Felder für Eintrag per Hand

Dabei lässt er alle Felder frei (siehe Abbildung ganz rechts), in die erst vor Ort auf Grund des Verkehrsverstoßes Daten eingegeben werden können. Per Hand trägt der Fälscher Datum, Uhrzeit, Standort, Kfz-Kennzeichen, Fabrikat und ein Stichwort zum Verstoß in das falsche Knöllchen ein und bestimmt auch die Höhe des Verwarngeldes. Dabei macht er sich die Unwissenheit der Betroffenen zunutze. Denn kaum einem Betroffenen ist klar: Echte Knöllchen weisen keinen handschriftlichen Eintrag auf, nicht mal eine Unterschrift.

Das bestätigt Gerd vom Baur, Leiter des Stadtordnungsdienstes der Stadt Magdeburg: "Unsere Kollegen haben ein mobiles Datenerfassungsgerät bei sich, in das vor Ort die Fahrzeugdaten und der Verkehrsverstoß eingetragen werden. Anschließend erfolgt der Ausdruck. Handschriftliche Einträge sind auf dem Verwarngeld-Schreiben nicht enthalten. Nur in Einzelfällen gibt es ein Hinweisblatt auf den Verkehrsverstoß, das allerdings keine Kontoverbindung enthält und dem ein Schreiben nach Hause folgt." Das aber ist nicht jedem Autofahrer bekannt, so dass die Stadtkasse bereits sieben Einzahlungen registrierte. Kurios: Der Knöllchenfälscher handelt – zumindest bisher – nicht zu seinem eigenen finanziellen Vorteil. Auf seiner Fälschung hat er ein Fantasie-Aktenzeichen eingetragen, aber die Bankverbindung der Stadtkasse beibehalten, so dass alle echten Falschparker im Fall einer Überweisung ein falsches Knöllchen quasi korrekt bezahlen. Der Vorgang fällt deshalb erst auf, wenn in der Stadtkasse Einzahlungen eingehen, die keinem Vorgang zugeordnet werden können. Gerd vom Baur: "Bisher wissen wir von sieben Fälschungen, die zu einer Einzahlung geführt haben. In vier weiteren Fällen sind die Betroffenen stutzig geworden und haben sich beim Ordnungsamt vor einer Einzahlung gemeldet." Obendrauf dürfte noch die Dunkelziffer kommen.

Wer aber steckt hinter dem Knöllchenfälscher? Welches Motiv treibt ihn? Ist er selbst ein "Knöllchen"-Opfer, das es der Verwaltung "zeigen" will?

"Noch laufen die Ermitlungen, so dass wir zu den Hintergründen nicht viel sagen können", so Kriminalhauptkommissar Ralf Bassüner von der Kriminalpolizei. Fakt ist: Die Taten des "Knöllchen-Fälschers" sind keine Kavaliersdelikte. Kriminalhauptkommissar Ralf Bassüner: "Wir ermitteln wegen Urkundenfälschung und Amtsanmaßung. Und wir hoffen, dass wir noch mehr Hinweise aus der Bevölkerung bekommen."

Bei Verdacht Kontakt zum Ordnungsamt

In einem Fall war man dem Knöllchenfälscher bereits dicht auf den Fersen. Am Freitag trieb er sein Unwesen im Bereich des Maritim Hotels und wurde von einem Betroffenen ertappt. Doch als der "Knöllchen-Fälscher" bemerkte, dass ihn der verdutzte Falschparker zu Rede stellen wollte, rannte er unerkannt davon. Bekannt ist daher nur, dass es sich um einen Mann handelt. Ob es derselbe ist wie im September, als der "Knöllchen-Fälscher" auch von einem Zeugen gesehen wurde, ist unklar. Gerd vom Baur hofft, dass die Magdeburger in diesen Tagen besondes aufmerksam sind und nach einem Mann Ausschau halten, der sich als Knöllchen-Verteiler verdächtig macht. Falschparkern rät er, Knöllchen genau zu prüfen. Finden sich darauf handschriftliche Einträge, sollte mit dem Ordnungsamt Kontakt aufgenommen werden (Telefon (0800 5 40 70 00).

Sind bereits Einzahlungen erfolgt, sollten Betroffene ebenfalls das Ordnungsamt anrufen. Weil das Aktenzeichen nicht stimmt, ist nur schwer nachvollziehbar, woher die Einzahlung stammt. Eine Rückbuchung ist schwierig.

Den sichersten Schutz allerdings bietet eine andere Vorgehensweise – die Einhaltung der Verkehrsregeln. Wer nicht falsch parkt, kann auch kein Knöllchen bekommen – weder ein echtes noch ein falsches.

 

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