Ein Schulprojekt zum Thema "Der maßvolle Mensch – wann ist das Maß voll?" fand am Mittwoch und Donnerstag an den Berufsbildenden Schulen IV "Dr. Otto Schlein" statt. Rund 340 Auszubildende aus Gesundheits-, Sozial- und Laborberufen informierten sich gegenseitig über ihre Ausbildungsinhalte.

Westerhüsen. Wäre es eine Party, die angehenden Diätassistenten der Berufsbildenden Schulen IV "Dr. Otto Schlein" wären die unangefochtenen Partykönige: An ihrer provisorischen Bar in Raum A207 tummeln sich im halbstündigen Wechsel Grüppchen von fachfremden Azubis, um von den selbst gemixten alkoholfreien Cocktails zu kosten. Zwei Stockwerke tiefer waten Altenpfleger in spe mit Badehose durchs Wasser, um so ihr Immunsystem zu stärken. Und ein paar Räume weiter lassen sich verspannte Azubis von angehenden Ergotherapeuten zeigen, wie sie ihren Rücken am besten entspannen.

Es ist Donnerstagmorgen, und in der Ausbildungsstätte hat gerade der zweite Aktionstag des Projekts "Der maßvolle Mensch – wann ist das Maß voll?" begonnen. Zwei Tage lang steht die Gesundheit des Menschen im Mittelpunkt, zwei Tage lang lernen rund 340 Azubis der Gesundheits-, Sozial- und Laborberufe voneinander.

"Alle Aktionen, die hier stattfinden, drehen sich um die fünf Bereiche Essen, Trinken, Alkohol, Drogen und Bewegung", erklärt Schulleiter Gerhard Siebenhüner das Konzept. Bereits zum zweiten Mal führt seine Schule einen solchen Aktionstag durch. Beim Motto der Schule, "Aktiv für ein gesundheitsbewusstes, soziales und umweltbewusstes Handeln", kein Wunder.

Das Projekt wird von mehreren lokalen und regionalen Institutionen unterstützt: Betei- ligt sind unter anderem das Magdeburger Gesundheits- und das Jugendamt, verschiedene Krankenkassen, die Polizei, die Drogenberatungsstelle DROBS in Magdeburg und das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt von Sachsen-Anhalt.

Einen Großteil der Organisation haben die Schüler selbst übernommen. In der dreimonatigen Vorbereitungszeit haben sie Konzepte aufgestellt, Vorträge erarbeitet und Infotafeln gestaltet. Das Ziel: sich innerschulisch zu vernetzen und vom Wissen der anderen Ausbildungsklassen profitieren. An den beiden Projekttagen konnte dann jeder die Stationen besuchen, die ihn am meisten interessierten.

Sergio Cristovao und Martin Seckel, die derzeit eine Ausbildung zum "Masseur und medizinischen Bademeister" absolvieren, haben sich für die Station "Snacks für zwischendurch" eingetragen und versuchen sich an der Zubereitung von Gemüsebratlingen. "Sie sind uns zwar ein bisschen angebrannt, schmecken aber noch ganz gut", sagt der 19-jährige Martin beim Kauen, während sein 17-jähriger Kumpel Sergio mit dem Pfannenwender versucht, das Mini-Unglück in Grenzen zu halten.

Ein anderer Programmpunkt war das Thema Alkoholmissbrauch, insbesondere durch junge Frauen: Immerhin sind rund 80 Prozent der an der Schule Lernenden weiblich. Und die reagieren auf Alkohol völlig anders als ihre männlichen Mitschüler, erklärt Heike Grodde von der Techniker Krankenkasse. "Frauen werden meist schneller betrunken und bauen den Alkohol langsamer ab", sagt sie. "Die Ursachen dafür sind unter anderem der geringere Wasseranteil im Körper und hormonelle Schwankungen."

Wie sich unterschiedliche Promillewerte auf die eigene Wahrnehmung auswirken, konnten die Auszubildenden dann durch eine "Rauschbrille" erleben und im Anschluss einen der alkoholfreien Cocktails testen.

Schulleiter Gerhard Siebenhüner jedenfalls ist mit den Projekttagen zufrieden. Sein persönliches Highlight, verrät er mit einem Augenzwinkern, war der Salsakurs am Mittwoch. Es wird gemunkelt, beim Tanzen hielt er länger durch als seine Schüler.

   

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