Der Autoverkehr auf der Zerrennerstraße und mögliche Gefahren für Kinder und Senioren vor dem Kindergarten Martin-Stift sorgen seit Jahren in Diesdorf für Diskussionen. Während Eltern und Anwohner mit Unterstützung aus der Politik einen Fußgängerüberweg fordern, sieht die Stadtverwaltung dafür keine Notwendigkeit. Auf Anfragen im Stadtrat nahm der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann jetzt erneut ausführlich dazu Stellung. Er sieht weiterhin keinen Handlungsbedarf.

Diesdorf. Mögliche Gefahren für Kinder und Senioren konkret an der Kreuzung Zerrennerstraße/Dietrichstraße/Am Denkmal hatten SPD und FDP im Stadtrat jeweils in Anfragen an die Verwaltung zum Thema gemacht. In einer schriftlichen Stellungnahme, die am Dienstag veröffentlicht wurde, geht der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann darauf ein.

So erklärt er darin, sowohl die untere Straßenverkehrsbehörde der Stadt als auch die Polizei gingen von keinem erhöhten Risiko aus. Zwischen Januar 2006 und Dezember 2010 sind nach Angaben Scheidemanns "keine Verkehrsunfälle polizeilich bekannt geworden". Außerdem seien Fußgänger nicht gezwungen, an der kritisierten Stelle die Straße zu überqueren. Dafür stehe etwa 85 Meter entfernt eine "sichere, bauliche Querungshilfe" zur Verfügung.

"Unabhängig davon hat die Polizei die Sichtverhältnisse zum Queren der Zerrennerstraße geprüft und festgestellt, dass diese im Bereich zwischen der Straße Am Denkmal und der fast gegenüberliegenden Dietrichstraße die sicherste Querungsmöglichkeit bieten. Hier ist der ankommende Fahrzeugverkehr frühzeitig aus beiden Fahrtrichtungen zu erkennen", so Scheidemann weiter, und er hält fest: Es bestehe keine Gefahr, die das allgemeine Risiko "erheblich übersteigt". Ein "Zebrastreifen" würde laut Ämterschätzung rund 35 000 Euro kosten. Eine Investition, die Scheidemann für "nicht begründbar" hält.

Aus dem gleichen Grund weist der Beigeordnete auch die aus der Diesdorfer Gemeinswesenarbeitsgruppe stammende und im SPD-Antrag aufgenommene Forderung nach einer Tempo-30-Zone auf der Zerrennerstraße zurück. Es handele sich außerdem um eine Hauptverkehrsstraße, und "Zonengeschwindigkeitsbegrenzungen kommen nur dort in Betracht, wo der Durchgangsverkehr von geringer Bedeutung ist", erklärt Scheidemann.

Der SPD-Ortsverein Magdeburg-West, der treibende Kraft hinter der Anfrage seiner Fraktion im Stadtrat war, hatte zuvor erklärt: "Dem Sicherheitsbedürfnis der querenden Fußgänger – vor allem Eltern mit Kindern, die die Kita Martin-Stift besuchen – kann aus unserer Sicht nur mit der Errichtung eines Fußgängerüberweges Rechnung getragen werden."

SPD-Ortsvereinschef Christian Hausmann rückt davon auch nach dem Lesen der Stellungnahme Scheidemanns nicht ab: "Die Bürger in Diesdorf sind sehr aufgebracht, und wir geben uns mit dieser Antwort auch nicht zufrieden", so Hausmann gestern auf Volksstimme-Nachfrage. "Wir werden darauf reagieren und auf widersprüchliche Angaben in der Stellungnahme, u. a. zum Verkehrsaufkommen, eingehen", kündigte Christian Hausmann von der SPD gestern bereits an.