Nicht nur Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter sind in der Bibliothek der Hochschule Magdeburg-Stendal gern gesehene Gäste, sondern auch der Otto-Normal-Leser. Mit einem Gesamtbestand von knapp einer Viertelmillion bemüht sich die Einrichtung um Leiterin Ursula Böhm um die Uni-externe Zielgruppe.

Herrenkrug. Niels Week genießt die Ruhe. Der 22-Jährige sitzt im zweiten Stock der Hochschulbibliothek am Standort Magdeburg, vor ihm ein Berg von Büchern, dahinter ein Fenster mit Blick auf den Campus am Herrenkrug, neben ihm eine Kommilitonin. "Ich komme zweimal pro Woche hierher", erzählt der Magdeburger, der im ersten Semester Soziale Arbeit studiert. "Zum Lesen und Arbeiten ist es optimal, und auch der Bücherbestand der Bibliothek kann sich sehen lassen."

Mit Allgemeinliteratur die "Externen" locken

Gut 185 000 Medieneinheiten umfasst die Magdeburger Sammlung von Büchern, Zeitschriften, Filmen auf Video und DVD sowie CD-ROMs (Standort existiert seit 1992), zusätzlich verfügt der Standort Stendal (seit 1995) über weitere 50 000 Einheiten. Ob nun ein Ratgeber für die Kleinkinderpflege gesucht wird oder ein Buch zum Erlernen einer Fremdsprache: Für fast jedes Interesse hält die Einrichtung etwas Passendes parat. Hinzu kommen mehr als 400 Zeitschriftenabonnements, die in der Bibliothek für die Besucher frei zugänglich sind.

"In erster Linie sind wir mit unserem Bestand zwar Dienstleister für die einzelnen Fachbereiche unserer Hochschule", sagt Ursula Böhm, Leiterin der Bibliothek. "Aber durch manche Fachbereiche, beispielsweise Medien, Gesundheit und Soziales, haben wir auch viel Literatur von allgemeinem Interesse." Für externe Nutzer sei das durchaus attraktiv, so die Bibliotheksleiterin weiter.

Trotzdem hält sich das Interesse der Uni-externen Magdeburger und Stendaler noch in Grenzen. Der Großteil der etwa 11 000 Nutzer, die einen Bibliotheksausweis besitzen, sind die Studierenden selbst und das Unipersonal. Nur ein kleiner Teil, nämlich knapp 3000 Menschen, nutzen als Externe das kostenfreie Angebot. Bei der vorhandenen Bücherfülle ist das für Ursula Böhm ein echter Wermutstropfen. "Wir haben kaum einen Präsenzbestand, der Großteil unserer Bücher kann also ausgeliehen werden", wirbt Böhm aus Überzeugung. Die Ausleihfrist von vier Wochen könne sogar zweimal verlängert werden, so die Leiterin weiter.

Plötzlich begehrt: "Der Soziopath von nebenan"

Nach dem "Best-Leiher" der letzten Zeit gefragt muss Ursula Böhm schmunzeln. Vor ein paar Monaten, erzählt sie dann, sei bei den Mitarbeitern der Fernleihe etwas Eigenartiges passiert. Über die Fernleihe können die Nutzer von anderen Bibliotheken auch in Magdeburg Bücher ausleihen, und eines Tages gingen in der Hochschulbibliothek ungewöhnlich viele Anfragen zu einem ganz bestimmten Buch ein: "Der Soziopath von nebenan" von Martha Stout. "Keiner konnte sich erklären, warum an diesem Buch plötzlich so viel Interesse bestand", sagt Leiterin Böhm. Nach ein paar Recherchen im Internet fanden sie dann die Antwort: Die Ex-Geliebte von Jörg Kachelmann, der derzeit wegen Vergewaltigung angeklagt ist, hatte das Buch an einem Verhandlungstag schützend vor ihr Gesicht gehalten. "Da war uns klar, warum es plötzlich so begehrt war", sagt Böhm.

Die 59-Jährige leitet die Bibliothek seit sieben Jahren, mit ihr arbeiten ein knappes Dutzend Archivare und Facharbeiter für Bibliothekswesen sowie ein Azubi hier. Für Böhm ist ihre Arbeit ein echter Traumjob. "Schließlich bin ich ein totaler Bücherwurm", sagt sie. Zwei Bücher pro Monat lesen, das sei bei ihr das Minimum.

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