Zwei Wochen nach dem Brand im Pflegeheim Olvenstedt, bei dem zwei Bewohnerinnen im Krankenhaus verstarben und eine weitere 96-jährige Frau noch immer auf der Intensivstation liegt, steht die Brandursache fest. Eine Lese-Lampe mit flexiblem Schwenkkopf, die an dem Bett befestigt war, soll Ursache des Feuers gewesen sein Die Geschäftsleitung des Eigenbetriebes "Wohnen und Pflegen" will nun sämtliche Elektrogeräte in allen sechs städtischen Heimen außerplanmäßig kontrollieren.

Magdeburg. Nach einem Gutachten der Spezialisten des Landeskriminalamtes soll eine Leselampe Ursache für den Brand im Altenpflegeheim Olvenstedt gewesen sein. Das teilte gestern Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch auf Nachfrage mit. Man habe sämtliche Geräte im Bereich der Brandausbruchsstelle, dem Bett der Bewohnerin, die sich zur Brandzeit beim Frühstücken befand, untersucht. Dabei geriet die Leselampe immer weiter in den Fokus der Ermittler. Die Klemmlampe mit Schwanenhals war am Kopfende des Bettgestells befestigt. Ob eine Überhitzung oder ein Kabelbruch am Ende zum Brand geführt hat, konnte aufgrund des hohen Zerstörungsgrades nicht mehr festgestellt werden. "Wir haben diesen Fakt jetzt in die Ermittlungsakte aufgenommen und werden den Fall an die Staatsanwaltschaft abgeben", erklärte der Polizeisprecher.

Mitarbeiter erhalten Seelsorge

Zurzeit liegt eine Bewohnerin noch auf der Intensivstation. Die 96-Jährige soll aber ansprechbar sein. "Uns haben die Angehörigen gesagt, dass die Frau gerne wieder ins Heim zurückkommen möchte. Das hat uns sehr bewegt", sagte der Leiter des Eigenbetriebes Wohnen und Pflege Norbert Lendrich. Die 90-jährige und die 86-jährige Bewohnerin, die nach dem Brand wegen der schweren Rauchgasvergiftung im Koma lagen, haben den Überlebenskampf nicht geschafft (Volksstimme berichtete bereits).

Auch von den fünf leicht verletzten Mitarbeitern sind einige noch immer im Krankenstand und emotional angeschlagen. Am schlimmsten betroffen sei die Wohnbereichsleiterin, die aus dem Brandzimmer noch eine bettlägerige Frau auf den Händen aus dem Raum getragen hat. Sie brachte die Seniorin hinter einer Brandschutztür unverletzt in Sicherheit. Als sie zurückkehren wollte, war der gesamte Bereich derart verrußt, dass eine Rettung der anderen Bewohner aus ihren Zimmern unmöglich war. Besonders tragisch: Da das Fenster im Brandzimmer geöffnet war und die Tür offen stand, erhielt das Feuer Sauerstoff.

Es stehen aber auch die anderen Mitarbeiter noch immer unter dem Eindruck der schlimmen Ereignisse des 21. Januar. "Wir planen deshalb auch eine Supervision und eine professionelle Betreuung, die wir unseren Angestellten anbieten wollen", erklärte der Geschäftsführer.

Fachkundige Hilfe wolle sich der Eigenbetrieb als langfristige Reaktion auf den Brand auch zur Schulung des Personals in Brandfällen holen. "Ich war bereits mit den anderen Leitern der Pflegeheime in dem Brandzimmer, um vor Ort die Situation zu erläutern. Es wird alles im Detail ausgewertet", erklärte Norbert Lendrich. Als akute Sofortmaßnahme kün- digte Lendrich an, in allen sechs Pflegeheimen die elektrischen Geräte außerplanmäßig kontrollieren zu lassen. Auch die der Bewohner. Diese werden zwar regelmäßig alle zwei Jahre überprüft, sollen jetzt aber noch mal einer gründlicheren Kontrolle unterzogen werden.

Inzwischen steht fest, dass der Brandschaden sich auf mehrere 100 000 Euro belaufen soll. Die fünfte Etage des Pflegeheims teilt sich in zwei Bereiche. Der Teil, der vom Brand nicht betroffen war und von der Brandschutztür geschützt blieb, soll ab nächster Woche professionell gereinigt werden, um eine gefahrlose Unterkunft der Bewohner zu garantieren. Die chemischen Gutachter sahen hingegen für den Brandbereich keine Chance zur Rettung der Möbel und anderen Gegenstände. "Da muss alles raus und darf aus Sicherheitsgründen auch nichts aufgearbeitet werden", erklärt Lendrich.

Am schlimmsten betroffen ist das eigentliche Brandzimmer. Dort muss sogar der Estrich erneuert werden. Die Schäden sind selbst im Außenbereich durch die herausschlagenden Flammen so groß, dass auch die Fassade in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Zurzeit sind 18 Bewohner der Etage noch in anderen Heimen der Stadt untergebracht. Die Sanierung wird nach Angaben des Geschäftsführers etwa drei bis vier Monate dauern. Mit der Wiederöffnung des Bereichs könne dann auch die abgesetzte Feier zum 25-jährigen Bestehen des Heims neu angesetzt werden.

 

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