Bei der Einführung der neuen Kita-Platz-Datenbank gibt es Probleme. Ursprünglich sollten Eltern ab Ende März per Mausklick über das Internet freie Krippen-, Kindertagesstätten- oder Hortplätze in Magdeburg suchen und reservieren können. Doch einige Träger hinken mit der Aufbereitung der nötigen Daten hinterher, andere wollen nachverhandeln, weil die Stadt ihnen eine Zugangsschnittstelle für ihre eigene Software finanzieren soll. Sie werden beim Start im März wohl nicht dabei sein.

Magdeburg. Seit dem Jahreswechsel ist die Datenbank bereits planmäßig online erreichbar und im Augenblick eine Art Kita-Wegweiser in digitaler Form. Eltern können sich auf dem Portal bereits über alle 124 Einrichtungen der Stadt, deren Öffnungszeiten und pädagogische Konzepte informieren. Auch die Suchfunktion ist aktiviert.

Noch fehlt allerdings der wichtigste Baustein: Ab Ende März sollen Eltern sich hier nicht nur Plätze suchen, sondern sie auch reservieren können. Lange Wartelisten und Klinkenputzen bei den 30 Trägern, aber auch soziale Auslese an der Kita-Tür und versteckte Zusatzbeiträge sollen mit diesem Service Geschichte sein. Magdeburg hätte als eine der ersten Städte Deutschlands eine moderne und elternfreundliche Methode der Kita-Platz-Vergabe. "Wir streben nach wie vor an, die Kita-Datenbank Ende März für die Eltern zu öffnen", sagt Jugendamtsleiter Detlev Klaus.

Doch schon jetzt ist absehbar, dass bis dahin nicht alle 30 in der Stadt tätigen Träger dabei sein werden. Problem Nr. 1: Obwohl die Träger schon seit mehr als einem Jahr wussten, dass sie bis zum Start der Software aktuelle Daten aller von ihnen betreuten Kinder (Geburtsdatum, Geschlecht, Adresse etc.) bereitstellen müssen, sind die Datenbanken mancher Träger nach wie vor fehler- und lückenhaft.

So spuckte die Software bei einem Träger mit 1648 betreuten Kindern 9000 Fehlermeldungen aus. Alle Fehler müssen nun von Hand korrigiert oder die kompletten Daten entfernt und neu eingepflegt werden – ein enormer Mehraufwand an Zeit und Kosten für Träger und Jugendamt.

Problem Nr. 2: Bisher verwalteten die Träger ihre Einrichtungen mit höchst unterschiedlichen Methoden – von Karteikarten über Excel-Tabellen bis hin zu eigener Software, die vor allem die großen Träger aufgrund der enormen Datenmenge nutzen. Diese Software wollen sie weiter nutzen und benötigen daher eine Schnittstelle, um sich mit der Kita-Datenbank zu verbinden. "Es kann nicht sein, dass die Träger ihre seit Jahren erprobte Software aufgeben und Kosten für eine Schnittstelle tragen müssen", ärgert sich Armin Jahns, Geschäftsführer der Kita-Gesellschaft. Ein ungelöstes "Riesenproblem" sei das. Er und die anderen Träger bekennen sich grundsätzlich zur Kita-Datenbank, sprechen aber von "Bauchschmerzen" (Stadtmission), "viel Arbeit und Aufwand" (AWO), einem "schwierigen Prozess, bei dem noch das Technische zu klären ist" (Stiftung ev. Jugendhilfe).

Mit diesen Trägern will Detlev Klaus nun so schnell wie möglich sprechen und Lösungen finden, sagt aber auch, die Aufwands- und Kostenabschätzung hätten die Träger "noch nicht mit der notwendigen Sorgfalt" getätigt. Denn nicht nur die Eltern, auch Träger und Jugendamt profitieren von der Datenbank, mit der die Verwaltung und Abrechnung des weitverzweigten Kita- und Trägersystems auf einen Schlag wesentlich unbürokratischer und schneller laufen soll.

Über eine finanzielle Beteiligung der Stadt an einer Software-Schnittstelle müsste man verhandeln, aber zuerst die Kosten kennen, spielt Klaus den Ball zu den Trägern. "Die Abwartehaltung der Träger kann ich im Interesse des Rechtsanspruches der Eltern auf einen Betreuungsplatz nicht nachvollziehen", sagt er und will versuchen, bei den Verhandlungen alles in die Waagschale zu werfen. Entsprächen die Träger dann nicht dem Stadtratsauftrag zur Einführung der Kita-Datenbank, könne das finanzielle und politische Folgen haben, stellt Detlev Klaus klar.

Noch deutlicher wird Sven Nordmann (SPD), Stadtrat und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. "Wenn die Träger nicht mitmachen, finden wir Mittel und Wege. Sie erhalten schließlich öffentliche Gelder. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis", sagt er. Oliver Müller (Die Linke) ergänzt mit Blick auf die jahrelange Arbeit am Projekt: "Wir haben lange dafür gekämpft. Wenn das nicht klappt, sind wir die Buhmänner." Auch die Stadträte wollen sich deshalb für eine schnelle Lösung der Probleme stark machen.

Derweil sind viele Eltern durch die Einführung der Kita-Datenbank verunsichert. So standen nach dem Jahreswechsel die Telefone im Jugendamt nicht mehr still, Eltern erhielten in manchen Kitas Falschauskünfte über das Anmeldeprocedere.

Doch zunächst ändert sich nichts: Anlaufstelle für einen Betreuungsplatz bleibt wie bisher die gewünschte Einrichtung. Wer zwei Absagen bekommen hat, wird vom Vermittlungsservice des Jugendamtes unterstützt (Di. 14 bis 17.30 Uhr, Tel. 5 40 31 31). Ab 1. April kommt der Datenbank-Service dazu – zumindest für die Träger, die bis dahin erfolgreich integriert wurden.

https://kitaplatz.magdeburg.de

   

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