Der Stadtrat hat eine fortgeschriebene Dringlichkeitsliste zur Herstellung von Barrierefreiheit in Magdeburg beschlossen. Sie gilt für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Behindertenbeauftragter Hans-Peter Pischner macht darin eine Reihe alter und neuer Forderungen auf.

Altstadt. Die Magdeburger Ampelanlagen sind erst zu 45 Prozent behindertengerecht ausgestattet. Das heißt, dass 99 von 210 Lichtsignalanlagen über akustische Signalisierung für Blinde und Sehschwache verfügen. Meist ist das auch nur an ein oder zwei Furten verfügbar. 2007, als die vorherige Fassung der Dringlichkeitsliste vorlag, waren 96 Kreuzungen mit Signalgebern ausgestattet gewesen.

Der geringe Zuwachs und die aktuelle Quote werden kritisch registriert. "Wir haben immer wieder Nachfragen", sagte Magdeburgs Behindertenbeauftragter Hans-Peter Pischner. Vor allem aus Sudenburger Bereichen und aus der Mittagstraße/Kaufland kommen Forderungen von Betroffenen. Bei Kosten für Nachrüstungen um die 10 000 Euro ist es allerdings noch ein langwieriger Prozess, schätzt Pischner ein. Er macht dennoch regelmäßig auf das Problem aufmerksam.

Trotz enormer Fortschritte in den vergangenen zehn Jahren und sichtlich zunehmender Barrierefreiheit sind in Magdeburg längst nicht alle Hindernisse gefallen.

Gerade im öffentlichen Verkehrsraum sind noch viele Wünsche von Behinderten offen. Pischner nennt vor allem die Haltepunkte der MVB. Schwerpunkte seien Straßenbahn-Haltestellen im Bereich Kroatenweg, Domplatz/Danzstraße, Kastanienstraße. Auch in Richtung Salbke/Westerhüsen sei das damals aufgestellte Programm noch weitgehend unerledigt, gleichfalls am Pechauer Platz. Allerdings sei letztere wegen mobiler Rampen eher nachrangig. Erst nach dem Tunnelbau soll sich die Situation an den Bahnsteigen 2, 3 und 4 des Hauptbahnhofs durch Aufzüge verbessern. Unerledigt gleichfalls die Verbesserung der barrierefreien Passierbarkeit auf dem Willy-Brandt-Platz. Zumindest sollte ein durchgehender Pflasterstreifen geschaffen werden.

Als vorrangig stuft Hans-Peter Pischner die behindertengerechte Ausstattung der Haltestellen im Bereich Kroatenweg ein. Das solle sich zwar bis 2012 eventuell verändern. Aber bis dahin könne und müsse ein Provisorium für Rollstuhlfahrer her, erklärte er. Als Lichtblick dürfte in dem Zusammenhang die Einordnung des barrierefreien Haltestellenausbaus in die Vorhaben der 2. Nord-Süd-Verbindung. Acht Haltestellen sind namentlich erwähnt, u. a. Milchweg, Warschauer Straße, Kirschweg, Brenneckestraße. Der Zeithorizont dämpft allerdings die Freude: Er reicht von 2013 bis 2019. Zeitnahe Aktivitäten fordert Pischner an öffentlichen Gebäuden. Als wichtigste Beispiele nennt er das Bürgerbüro Mitte. Hier sollte ein Podest-Hublift eingebaut werden, sagte er. Am Verwaltungsgebäude Julius-Bremer-Straße 8/10 halten er und andere Experten Rampenlösungen für erforderlich.

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